390 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
das macedonische Heer am anderen Ufer in Schlachtordnung auf. DaPorus bald die Ueberzeugung gewonnen hatte, dass all dies Getöse nurblinder Lärm sei, so hörte er auf, sich darüber zu beunruhigen und amFlusse aufzustellen, und detachirte nur noch einige Wachtabtheilungen,welche nach wie vor längs dem Flusse den Feind sorgfältig beobachtensollten. Nun schritt Alexander ungesäumt zur Ausführung seines Planes.Kraterus wurde mit einem Theil des Heeres (seiner eigenen und der Ab-theilung des Alcetas und Polysperchon, nebst 5000 Indiern) im Lager,Porus gegenüber, stehen gelassen, mit dem Befehl: wenn Porus gegenAlexander mit seiner gesammten Macht ausrücke, dann sogleich über denHydaspes zu gehen und ihn unverweilt anzugreifen, — wenn er aber nurmit einem Theil seines Heeres ausziehe, dann erst überzugehen, sobald erihn im Kampfe mit Alexander erblicke. — Alexander selbst zog sich mitallen übrigen Truppen bei Nacht in einige Entfernung vom Flusse zurückund ging dann, durch einen Wald gedeckt und für Porus und dessen Heerunbemerkbar, am rechten Ufer des Hydaspes stromab. In einer Entfer-nung von 150 Stadien (267 4 Werst = 3Y 2 Meile) vom macedonischenLager abwärts am Strome lag, mit dichtem Walde bewachsen, ein hoherFelsen auf dem rechten Ufer, und diesem gegenüber in der Mitte desFlusses eine Insel. Der Fluss machte, um diesen Felsen herumfliessend,hier einen nach dem Feinde zu ausspringenden Bogen. Das war derPunkt, welchen Alexander zu seinem Uebergange ausgewählt hatte.Halbwegs zwischen ihm und dem Lager stellte er dicht ans Ufer Meleagermit einer Abtheilung Keiter und Fussvolk auf, mit der Weisung, überden Fluss zu gehen, sobald Porus mit Alexander im Kampf verwickeltsei. In derselben Nacht noch wurden alle auf dem Hydaspes befindlichenSchiffe am Uebergangspunkte zusammengebracht. Bei Ankunft Alexan-der's an diesem Punkte entlud sich ein heftiges Gewitter mit Regen undDonner, das den Feind verhinderte, das Geräusch der Arbeiten und derWaffen beim Uebergange Alexander's zu hören. Mit Tagesanbruch, alsdas Gewitter nachgelassen hatte, führte Alexander sogleich (theils aufSchiffen, theils auf Flössen) einen ziemlich grossen Theil seines Fussvolksund seiner Reiterei auf die Insel über. Die Wachtabtheilungen des Poruserblickten sie erst, als schon die Letzten das Ufer auf der andern Seitederlnsel erreichten, und beeilten sich nun. demselben Meldung zu machen.Während dessen hatte Alexander, der sich an der Spitze seiner Truppenbefand, entdeckt, dass er sich noch nicht auf dem linken Ufer des Flussesbefinde, sondern auf einer zweiten grossen Insel, die durch einen schma-len Flussarm vom anderen Ufer getrennt war. Obgleich das Wasser indiesem Flussarm vom Regen hoch angeschwollen war, so gelangten dochReiter und Fussvolk durch eine Furt glücklich hinüber. Sobald das ganzeHeer drüben angekommen, stellte Alexander es in folgender Weise auf: