386 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.
tigsten Könige oder Fürsten (Rädschah oder Rajah) des oberen Indiens,Taxiles und Porus, — der Erstere zwischen Indus und Hydaspes*), derZweite zwischen Hydaspes und Ganges über kleinere Fürsten oder Rajahsin diesem Theile von Indien herrschend —, grade mit einander in Streitlagen. Alexander machte sich dies zur leichteren Unterwerfung Indiensgeschickt zu Nutze. Von Taxiles herbeigerufen, begann er schon zu An-fang des Frühjahrs 327 für den Feldzug in Indien zu rüsten und brachdann, nachdem er nach Einnahme der Bergfeste des Chorienes seinenRücken durch Zurücklassung des Amyntas mit 10,000 Mann Fussvolkund 3500 Mann Reiterei gedeckt hatte, um die Mitte dieses Frühjahrs327 von Baktra (Balch) in das Land der Paropamisaden (das nördlicheKabul) mit einem Heere auf, das sich auf etwa 135,000 Mann belief, d. h.also mehr als dreimal so stark war, als jenes, mit welchem er seinenKriegszug begonnen hatte. Es war ausser Macedoniern und Griechenaus Parthern, Ariern, Baktriern, Sogdianern, Scythen und anderenVölkern zusammengesetzt, welche unlängst noch die Feinde Alexander'sgewesen waren. Die Asiaten betrugen, wie es scheint, etwa 2 / 3 (90 bis95,000 Mann), die Macedonier und Griechen ] / 3 (40 bis 45,000 Mann).In zehn Tagemärschen wurde der Weg von Baktra zum indischen Kau-kasus oder Paropamisus (Hindukusch) zurückgelegt und dies Gebirgeüberschritten; dann rückte Alexander in das Gebiet der Paropamisadenein. Obgleich er aber ein starkes und treffliches Heer besass und dreisthätte vorwärts gehen können, so wollte er doch nicht den Indus über-schreiten, bevor er nicht die Länder auf der rechten Seite dieses Flussesunterworfen und dauernd sich darin festgesetzt hatte, und auf die Er-reichung dieses Zweckes verwendete er eine ganz besondere Sorgfalt.Er entbot Taxiles und die benachbarten kleinen indischen Fürsten zu sich,schloss mit Taxiles ein Bündniss und erlangte von ihm das Versprechender Mitwirkung, sowie die erforderlichen Nachrichten über Indien. AmFlusse Kophen (heute Kabul) angelangt, theilte er sein Heer in zweiTheile. Den einen, unter Befehl von Hephästion undPerdikkas, schickteer durch Peucelaotis, oder das Land der Peucer (das heutige Gebiet vonDjelalabad und Pischawar auf der rechten Seite des untern Kabul) directnach Indien, mit dem Auftrage, unterwegs alle Städte zu unterwerfenund, am Indus angekommen, alle nothwendigen Vorbereitungen zumUebergange über den Fluss zu treffen. Mit dem anderen Theile wandteer selber sich gleichfalls nach Indien, aber links von Hephästion und Per-dikkas, oder weiter nördlich näher dem Hauptkamm des Kaukasus, aufdem linken Ufer des Kophen (Kabul). Der Marsch beider Heerestheile,namentlich des bei Alexander befindlichen, war ausserordentlich beschwer-
*) Hydaspes, beute Djelam oder Beiiat.