14. Die Feldzüge Alexanders d. Gr. 383
fahl Alexander, dass in dem nalieu Walde Bäume gefällt und Leiternangefertigt würden, um mittelst derselben auf die Sohle der Schlucht hin-unter zu steigen und von da mittelst Erd- und Holzarbeiten sich auf dieHöhe des Felsen hinauf zu arbeiten. Als die Macedonier bis zu einersolchen Höhe gelangt waren, dass sie die Belagerten bereits mit ihrenPfeilen zu beschiessen vermochten, da knüpfte Chorienes, im Vertrauenauf Alexander's auch gegen Oxyartes bewiesene Grossmuth, Unterhand-lungen an und übergab die Festung. Alexander verfuhr in der That auch•mit ihm milde und grossmüthig und vertraute ihm aufs Neue die Kegie-rung, die Festung und den Bezirk um dieselbe herum an. Chorienesversorgte aus Dankbarkeit hierfür das macedonische Heer mit Lebens-mitteln, woran es schon sehr Mangel gelitten hatte. Darauf entsandteAlexander den Kraterus mit einem Theil der Truppen behufs Vervoll-ständigung der Unterwerfung der Parätacener, er selbst aber kehrte nachBaktra zurück. Kraterus erfocht in einem blutigen Treffen mit den Parä-tacenern einen entscheidenden Sieg über sie und stiess, nachdem er sievollkommen unterworfen hatte, dann wieder zu Alexander in Baktra.
In diese Zeit fällt eine neue Verschwörung gegen das Leben Alexan-der's, welche Hermolaus mit fünf anderen macedonischen Jünglingen ausdem nächsten Gefolge des Königs angestiftet hatte. Sie wurde indessenentdeckt, und die Verbrecher, verhört und verurtheilt, wurden nach rnace-donischer Sitte gesteinigt; der Philosoph Kallisthenes aber, welcher derTheilnahme an des Hermolaus Plänen beschuldigt war, wurde in Kettengelegt und, wie Einige sagen, hingerichtet.
Mit der Einnahme der Bergfeste des Chorienes war die Eroberungder nordöstlichen Provinzen des persischen Keiches vollendet, welche inFolge der gebirgigen Beschaffenheit des Landes und des kriegerischenGeistes der Bergbewohner Alexander uiiverhältnissmässig mehr An-strengungen und Opfer gekostet und bedeutend mehr Zeit (3y 2 Jahi;beansprucht hatte, als die Eroberung der Küsten- und inneren Provinzenfür sich allein. Die Thaten Alexander's in diesen nordöstlichen Pro-vinzen und überhaupt die ganze Periode von seinem Auszug aus Perse-polis bis zur Einnahme der Felsenburg des Chorienes inclus., sowie jedereinzelne Abschnitt derselben fesseln in hohem Grade das Interesse undbieten viel Belehrung. Die unausgesetzte Anspannung der Kräfte, derstete Kampf, die erstaunliche Raschheit, Kühnheit, Energie und Ver-schiedenartigkeit seiner Operationen, und die lange Keihe von glück-lichen einzelnen offensiven Unternehmungen (Expeditionen) bilden die
ob im heutigen Bolor-Dagh, oder in dessen östlichem Ausläufer, oder im Hindukusch.Unzweifelhaft aber in einem dieser Gebirge, und nicht in dem Parätacene, welchesnördlich vom eigentlichen Persien und westlich von Medien: also zu weit von Baktraund von Alexander entfernt lag.