14. Die Feldzüge Alexanders d. Gr. 377
sich zum Könige von Asien aufgeworfen habe, von den Baktriern undden um ihn versammelten Persern unterstützt werde, ausserdem auchnoch auf die Hülfe seiner Verbündeten, derScythen. rechne. In Folgedessen zog Alexander sofort aus Susia nach Baktrien in directer Richtungauf Baktra (das heutige Balch im südlichen Turkistan, nahe dem linkenUfer des Flusses Djeihun oder Amu-Darja). Auf dem Wege dorthinstiess schon ein Theil der Truppen, welche aus Medien herankamen, zuihm. Kaum aber war er aus Susia abgezogen, so empörte sich der treu-lose Satibarzanes, in der Absicht, sich mit Bessus zu vereinigen und ge-meinschaftlich mit ihm in einer allgemeinen Schlacht durch ihre Ueber-zahl Alexander zu erdrücken. Als Alexander hiervon Kenntniss erhielt,übergab er demKraterus seine Hauptmacht, er selbst eilte mit den Elite-truppen in Geschwindmärschen zurück und erschien, nach Zurücklegungvon 600 Stadien (105 Werst == 15 Meilen) in zwei Tagen, vollkommenunerwartet vor Arktoana (oder Artakoana, einer Stadt in der Mitte vonArien, zwischen dem heutigen Hach im persischen Chorasan und Herat inKabul) — dem Centrum des Aufstandes. Satibarzanes und die von ihmgesammelten Truppen flohen, wurden rasch verfolgt und zum Theilniedergemacht, zum Theil gefangen genommen. Dann, nach Befestigungder Unterwerfung von Arien durch Ernennung eines neuen zuverlässigenSatrapen und durch Gründung einer macedonischen Ansiedelung, die erAlexandria nannte (heute Herat), kehrte Alexander zu seinem Heerezurück.
Um diese Zeit ward eine Verschwörung des Philotas. Sohnes desParmenio, und vieler andrer macedonischer Anführer gegen das LebenAlexanders entdeckt. Die Ursache dazu lag in der Veränderung,welche schon seit der Schlacht bei Arbela sowohl in Alexander selbst,als auch in den gegenseitigen Beziehungen zwischen den vornehmstenmacedonischen Anführern vorgegangen war. Seit dem Tode des Dariushatte Alexander, der sich bereits als persischer König betrachtete und indieser Würde auch von einem grossen Theil der Perser anerkannt wurde,begonnen sich mit diesen zu umgeben, sie in die Schaaren seiner Leib-wache aufzunehmen, in jeder Weise ihnen zu schmeicheln und eine Vor-liebe für die Sitten und Gebräuche des Orients zu zeigen. Hierdurchkränkte er aber die Macedonier und Griechen und erregte ihren Unwillengegen sich, und dies um so mehr, als die fortwährenden Erfolge seinerWaffen in ihm Vermessenheit erzeugt, seine Ehrsucht vermehrt, seinenCharakter ausserordentlich reizbar gemacht, seine Leidenschaften undseine Willkür bis zur Unbezähmbarkeit gesteigert hatten. Die allmäligzunehmende Unzufriedenheit der macedonischen Anführer hatte zu einemverbrecherischen Complott geführt. Nach Entdeckung desselben wurdenPhilotas und seine Mitschuldigen nach der Sitte der Macedonier verur-