358 II- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's'd. Gr.
um sich der dort befindlichen Schätze und Geräthe des Darms zu be-mächtigen , während er selbst mit der Hauptmacht von Issus durch diesyrischen Pforten und am Meeresufer entlang zog. Parmenio erfüllte denerhaltenen Auftrag mit bestem Erfolge und ohne auf den geringstenWiderstand zu stossen; Aradus (heute Partus), Sidon (heute Saida) undalle Städte Syriens, mit Ausnahme von Pyrus (dem heutigen Sur) unter-warfen sich Alexander freiwillig.
Die Einwohner des grossen, Handel treibenden und reichen Pyruserklärten sich bereit, neutral zu bleiben, und versprachen , keine Perserin die Stadt einzulassen, wollten aber auch ebenso wenig Macedonierund Griechen nach Pyrus hereinlassen. Hierüber gerieth Alexander inZorn, und-da er von der Notwendigkeit Pyrus zu besitzen, um dadurchPhönizien vollkommen zu unterwerfen, überzeugt war, auch erkannte,dass es unerlässlich sei, die Seemacht und Streitmittel dieser Stadt inseinen Besitz zu bringen, um dann Cypern und Aegypteu und die Herr-schaft zur See zu gewinnen, da er ferner es auch für unverständig hielt, beiseinem Zuge nach Aegypten Pyrus ohne Weiteres hinter sich liegen zulassen, so beschloss er diese Stadt zu belagern, unbekümmert um dieausserordentlichen Schwierigkeiten, welche diese Belagerung voraussicht-lich mit sich bringen würde. Pyrus lag auf einer Insel, vier Stadien (unge-fähr 1 '/ 2 Werst = fast 1 / 4 Meile) vom Ufer entfernt und war sehr gross undstark befestigt. Zwischen derStadt und dem festen Lande war indessen dasMeer an einigen Stellen ziemlich seicht, und dies sich zu Nutzen machendführte Alexander hier einen Damm von Holz auf, um die Maschinen zumMauererschüttern auf demselben heranfahren zu können. — Die Pyrierbeschossen die Arbeiter mit Wurfmaschinen und Pfeilen und erschwertenhierdurch, sowie durch die grosse Zahl ihrer Seeschiffe die Arbeit derMacedonier ganz ausserordentlich, brachten ihnen empfindliche Verlustebei, zuletzt gelang es ihnen sogar mit Hülfe von brennenden Schiffen(Brandern) den hölzernen Damm und die Mauerbrecher und Maschinenzu verbrennen. Dieser Unfall konnte aber Alexander nicht schwankendmachen; er befahl, sofort einen neuen festeren und dauerhafteren Dammzu bauen und neue Maschinen und Sturmzeug zu construiren. Nach un-glaublichen Anstrengungen wurde der Damm endlich fertig und die aufdemselben aufgestellten Maschinen begannen lebhaft gegen die Mauernder Stadt zu wirken. Zu gleicher Zeit stiessen an 220 Seeschiffe aus denphönizischen Städten, Cypern, Rhodus und Kleinasien zu Alexander.Die Pyrier vertheidigten sich indessen mit ebensoviel Geschick alsMuth und Ausdauer und vereitelten alle Anstrengungen Alexander's zurEinnahme der Stadt durch reguläre Belagerung so lange, bis sieschliesslich zur See besiegt worden waren, wonach dann Pyrus nacheiner sjebenmonatlichen Belagerung und einem drei Page währenden