13. Die Feldzüge Alexander's d. Gr. 341
Ausserdem aber übertrafen die Macedonier und Griechen die Perserals Volk, wie als Heer, in sittlicher, wie in militärischer Beziehung un-endlich weit. Obgleich auch den Griechen die Tugenden verloren gegan-gen waren, durchweiche sie sich in früheren Zeiten ausgezeichnet hatten,so zeigten sie dennoch, beseelt von einem einzigen Gefühle des Hassesgegen die Perser, von dem Wunsche des Krieges gegen sie, dem Glaubenan ihre Ueberlegenheit und ihren Sieg in diesem Kriege, und von Ruhm-sucht, — eine seltene Einmüthigkeit in Allem, was sich auf dieses grossedas ganze Volk erfüllende Unternehmen bezog. Ferner waren sie dascivilisirteste, gebildetste Volk, ihre Flotte war die erste der Welt, ihreTruppen nächst den macedonischen die besten im Osten der damaligenWelt. Die Macedonier standen ihnen zwar in bürgerlicher Cultur nach,übertrafen sie aber an mannhaftem, kriegerischem Geiste, an allen Tu-genden eines noch jungen Volkes, an kriegerischer Ausbildung, an stren-ger militärischer Subordination und Ordnung, und an absoluter Ergeben-heit und aufrichtiger Anhänglichkeit an ihren König. Er aber, mit derköniglichen auch die militärische Gewalt verbindend, und zugleich deroberste und alleinige Führer der Macedonier und Griechen gegen diePerser, war begabt mit allen Eigenschaften eines grossen Mannes, gros-sen Regenten und grossen Feldherrn, und hatte .schon Proben seinerKunst und seines Glückes abgelegt. Ihre Einmüthigkeit also, ihre mora-lische Ueberlegenheit, die Vortrefflichkeit ihres Heeres und ihrer Flotte,und die Einheit der Gewalt über sie in den Händen des intelligentestenund geschicktesten Anführers, der bis dahin je in der Welt erschienenwar, das Alles sicherte den Macedoniern und Griechen eine entschiedeneUeberlegenheit über die Perser und machte zugleich den Erfolg des vonihnen beabsichtigten Krieges ganz unzweifelhaft.
Alexander war so überzeugt davon, von solchem Vertrauen in seineKunst und sein Glück beseelt, so begeistert von dem grossen Gedanken,das persische Reich zu erobern, Asien dem Einflüsse Griechenlands zuunterwerfen, griechische Aufklärung dort zu verbreiten, eine allgemeineWeltmonarchie zu errichten und einen allgemeinen Welthandel zu grün-den, dass er nicht auf die Warnungen des Parmenio und Antipater hörenund die Erwägungen von geringerer Wichtigkeit gar nicht in Betrachtziehen mochte. Parmenio und Antipater riethen ihm nämlich, bevor erden Krieg gegen die Perser unternähme, erst die Selbständigkeit desmacedonischen Thrones sicher zu stellen, indem er sich vermählte unddie Geburt eines Sohnes abwartete. Aber Alexander verwarf nicht nurihren Rath, sondern beschloss sogar, den Persern sofort durchEröffnung des Angriffskrieges in ihren eigenen Grenzenzuvorzukommen, um gleich von vorn herein die Hauptkraft der Per-ser, welche in ihrer Flotte lag, zu paralysiren, sich der ungeheuren Vor-