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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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340 II. Vom Anfang dergriech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.

und die rauhen Tugenden ihrer Vorfahren eingebüsst, waren aufs Aeus--serste verweichlicht, corrumpirt, dem Luxus und der Völlerei ergebenund uniähig zu mannhaftem Widerstände gegen einen äusseren Feind.Ausserdem hatten sie nicht die geringsten Fortschritte in der Kriegskunstgemacht, hatten nur unvollkommene rohe Begriffe davon, und ein allge-meines persisches Volksaufgebot stellte ganz dasselbe zusammenhangs-lose buntgemischte Chaos dar, wie das persische Eeich selbst. Es war indemselben weder regelrechte Organisation, noch militärische Disciplinund Ordnung, noch eine einheitliche reguläre Ausbildung vorhanden,den zuverlässigsten Theil der persischen Armee bildeten die griechischenSöldner zu Fuss.

Auf der anderen Seite standen Macedonien und Griechenland nachihrer Ausdehnung und ihren Kriegsmitteln weit hinter dem persischenReiche zurück, indem diese etwa 1 / 5 desselben betrugen. Die GeldmittelAlexanders waren unbedeutend im Vergleich zu jenen der Perser: seinSchatz war erschöpft, die königlichen Domänen von ihm vertheilt, eingrosser Theil der Steuern den Macedoniern erlassen, und zum Beginndes Krieges oder für den ersten Feldzug hatte er, nach* Aristobul's Ver-sicherung, nicht mehr als 70 Talente (etwa 91,000 Rubel Silber), undnach des Duris Angabe nur für einen Monat Lebensmittel. v ) Dieäusserste Zahl an Truppen und Seeschiffen, welche Macedonien undGriechenland aufstellen konnten, muss man, wie es scheint, auf 220,000Mahn Fussvolk und 15,000 Mann Reiterei annehmen, die vor dem TodePhilipp's zum Kriege mit den Persern ausgerüstet waren,undaufnichümehr als 500 oder 600Triremen und andere Kriegs-und Transportschiffevon verschiedener Grösse. Wenn man diese Streitmacht mit jener ver-gleicht, ' mit welcher Xerxes seinen Einfall in Griechenland machte, soerkennt man leicht die ausserordentliche Schwäche derselben. Besondersfühlbar war die Schwäche der Flotte: denn um das persische Reich zuerobern, war eine Ueberlegenheit oder wenigstens ein Gleichgewicht unddie thätige Mitwirkung der griechischen Flotte durchaus erforderlich undvon höchster Wichtigkeit. Zu der Unzulänglichkeit der Streitmacht undder Kriegsmittel Macedoniens und Griechenlands muss man noch hinzu-rechnen: 1) die unzuverlässige innere Lage Griechenlands und seiner Be-ziehungen zu Macedonien; 2) die Notwendigkeit, es stets mit einemstarken Heere besetzt zu halten, um es zu beobachten, die Ordnung undRuhe darin aufrecht zu erhalten und es vor den Anschlägen der Persersowohl, als der Griechen selbst zu sichern; und 3) die Unbestimmtheitder Thronfolge in Macedonien.

*) Onesikritus versichert übrigens, dass er eine Anleihe von 200 Talenten (ca.260,000 Kübel Silber) gemacht habe.