338 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.
schmelzen mussten, mit denen sie nun durch die engen Bande der Ka-meradschaft und des Gehorsams gegen einen und denselben König ver-bunden waren, dass endlich durch Eealisirung des uralten Sehnens derGriechen er die Macedonier, d. h. nach Meinung der Griechen Bar-baren, — zu Hellenen machte. —Dem ist noch hinzuzufügen, dassnach dem Tode Philipp's der Krieg gegen die Perser eine weit grössereAussicht auf Erfolg, als auf Schwierigkeiten darbot. Um dies zu ver-stehen, muss man nur die "beiderseitige Lage des persischen Reiches ge-gen Macedonien und Griechenland vergleichen.
Das persische Reich war das ausgedehnteste und reichste,das bis dahin je in der Welt existirt hatte. Es besass die Ufer von vierMeeren und begriff die besten Länderstrecken von Asien und Afrika insich, die, von Natur schon reich, noch fast den gesammten Welthandelin sich concentrirten. — Die persische Regierung bezog sowohl aus denSteuern und Abgaben der ihr unterworfenen Völker, als auch aus einerMenge verschiedener anderer Quellen ganz ungeheure Einkünfte. Aus-serdem waren in Persepolis, Ekbatana, Susa, Babylon, Arbela, Damas-kus und anderen grösseren Städten wahrhaft unzählbare Schätze undReichthümer aufgehäuft.
Von den vier Meeren, welche die Grenzen des persischen Reichesumspulten, genügten allein schon die Ufer des mittelländischen Meeresvom Hellespont bis Libyen, um die persische Monarchie zum mächtigstenReiche, zur ersten Seemacht zu machen. An diesen Ufern lagen diereichst bewachsenen Wälder und zahlreiche handeltreibende, wohlha-bende Seestädte mit vorzüglichen Häfen, und die Einwohner dieser Städtewaren die ausgezeichnetsten Seeleute. Aus allen diesen Gründen hattendie Perser auch auf dem mittelländischen Meer eine zahlreiche und vor-treffliche Flotte. Die Schiffe für dieselbe lieferten die Phönizier, Aegyp-ter und besonders die Bewohner der griechischen Colonien Kleinasiensund der benachbarten Inseln des mittelländischen Meeres. Aus ihnenwurden fast ausschliesslich die Mannschaften für die Flotte entnommen.An diesen Ufern lagen reiche Schiffsarsenale und maritime Etablisse-ments der verschiedensten Art. — In nicht geringerem Maasse konnte diepersische Regierung auch auf dem festen Lande aus ihren Binnenpro-vinzen Mittel und Material zum Kriege herausziehen. Theils aus weitenEbenen, theils aus hohen Gebirgen bestehend, boten sie Ucberfluss anzahlreicher und ausgezeichneter Reiterei und leichtem Fussvolk, Bo-genschützen und Schleuderern. Da die Gestellung von Truppen, gleichwiedie Zahlung von Abgaben, eine der Hauptpflichten der dem persischenReiche angehörenden Proyinzen war, so war die Regierung immer in derLage, gewaltige Armeen zusammen zu bringen, die meist aus Reitereiund leichtem Fussvolk bestanden. Der reiche Staatsschatz bot die Mittel