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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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12. Die Macedonier. 315

§.82.Innere Organisation des macedonisehen Heeres, Lagerkunst, Befesti-gungs- und Belagerungskunst, und Standpunkt der Kriegskunst imAllgemeinen bei den Maeedoniern unter Philipp und Alexander d. Gr.

Wie das macedonische Heer die gleichzeitigen griechischen Truppenin Zusammensetzung und taktischer Organisation übertraf, so nicht min-der in der Art der Befehlsführung und der militärischen Subordination,in Ordnung und kriegerischem Geist. Die Heeresführung war bei denGriechen unter mehrere Feldherren getheilt, welche vom Volke gewähltund ihm gehorsam waren; bei den Maeedoniern war sie mit der könig-lichen Gewalt zugleich in der Hand des Königs vereint und hatte daherden bedeutenden und ungewöhnlichen Vortheil der Einheit und Kraft.Die stramme militärische Subordination und Disciplin, von Philipp undAlexander unablässig im macedonisehen Heere aufrecht gehalten, bildeteden schneidenden Gegensatz zu dem Ungehorsam, der Willkür und demaufrührerischen Geiste der griechischen Heere. Die königliche Gewaltbot Philipp und Alexander d. Gr. die Mittel und die Möglichkeit, durchstrenge Strafen gegen Unordnungen und Vergehen, wie durch freigebigeBelohnungen für Kriegsdienste und Auszeichnungen in ihrer Armee Sub-ordination, Gehorsam, musterhafte Ordnung, wahren kriegerischen Geist,die Gefühle der Ehre, der Ruhmsucht, brennenden Eifer und Hingebung,unermüdliche Thätigkeit, erstaunlichen Muth, Ausdauer und Geduld undunerschütterliche Treue und Anhänglichkeit gegen ihre königlichen Führerbeständig zu erhalten. Streng, bisweilen sogar grausam waren die Stra-fen, welche Alexander d. Gr. verhängte, aber seine Hochherzigkeit unddie Freigebigkeit seiner Belohnungen, die stets nach Gerechtigkeit aus-getheilt wurden, übertrafen bei Weitem die Strenge der Strafen. Deshalbvergötterten ihn auch seine Soldaten im vollsten Sinne des Wortes undwaren bereit, auf ein Wort von ihm alle erdenkbaren Mühen, Entbehrun-gen und Gefahren mit Freuden zu ertragen.

Ueber den Unterhalt der macedonisehen Truppen ist nicht viel Posi-tives zu sagen. Es scheint, dass die königliche Leibwache und einige derauserlesenen Schaaren vom König ihren Unterhalt in natura erhielten,das stehende Heer und die Söldner SoldinGelde (wie viel, ist unbekannt);alle übrigen Truppen dienten auf ihre eignen Kosten und sorgten selberfür ihren Unterhalt. Im Kriege gegen die Perser ward das macedonischeHeer vorzugsweise durch regelmässige Requisitionen vom Lande verpflegt.Bemerkenswerth ist die Sorge Alexander's d. Gr. für rechtzeitige und ge-nügende Versorgung seines Heeres mit Lebensmitteln, und zugleich fürdie thunlichste Schonung des Landes und Entlastung der Einwohner zuKriegszeiten.