12. Die Macedonier. 307
für macedonische Befehlshaber und Feldherren. Aus ihnen gingen in derThat alle die besten Feldherren und Gefährten Philipp's und Alexandersdes Grossen hervor. Ausser der Agema der Hetären errichtete Philippnoch eine andere auserlesene Schaar königlicher Leibgarden unter demNamen Pezhetären*), die, wie es scheint, auch aus Personen vomAdel formirt wurden; wenigstens genossen die Pezhetären derselben Vor-rechte als Genossen des Königs, wie die Hetären.
Demnächst wählte Philipp aus den niedern, aber freigeborenen Ma-cedoniern die tüchtigsten aus und fonnirte daraus ein stehendes regel-mässig organisirtes Heer, in dessen Reihen die berühmte macedo-nische Phalanx des schweren Fussvolks den ersten Rang einnahm.
Im Kriegsfall wurde das stehende Heer verstärkt: 1) je nach Not-wendigkeit und Forderung des Königs durch die Land- oder Volks-wehren (Heere) der verschiedenen Provinzen Macedoniens, 2) nachMaassgabe der Erweiterung der Grenzen und des Einflusses Macedoniensdurch Hülfstruppen der macedonischen Tributären (Thracier, Päonier,Triballer, Odrysen, Illyrier und Thessalier und der Verbündeten (Grie-chen), und 3) durch Miethstruppen, sowohl griechischer, als auch ein-zelner thracischer, illyrischer und anderer Stämme, die von Macedonieuabhängig waren.
Auf diese Weise bildete 1) der auserlesenste, beste und zuverlässigsteTheil der eingeborenen Macedonier den Kern und die Hauptstärke dermacedonischen Armee, der königlichen Garde und des stehenden Heeres,und 2) lag in der Zusammensetzung dieser Armee aus den tapfersten,.kriegerischesten Stämmen, die noch unberührt waren von der Sittenver-derbniss und den Lastern der Griechen, und dem Willen des macedoni-schen Königs-Feldherrn absolut ergeben, — die bedeutende Ueberlegen-heit über die Armeen der griechischen Staaten, welche zu dieser Zeittheils aus kriegerischen Bürgern, zum grössten Theil aber aus gewinn-süchtigen, frechen und eigenwilligen Söldnern zusammengesetzt waren.
Aus den griechischen und römischen Historikern kann manschliessen,dass durch Philipp ein regelmässiges Ersatz -System in Macedonieu ein-geführt worden, und dass zu diesem Behufe, wie auch zur Bequemlich-keit für die militärische Verwaltung, Macedonieu von ihm in eine gewisseAnzahl von Militärdistrikten getheilt wurde.
Die geregelte militärische Organisation. mit welcher das macedo-nische Königreich durch Philipp versehen wurde, entwickelte und be-festigte sich schon vollständig während der Regierung dieses Herrschers,Dank dessen weisen Massregeln und seiner fortwährenden thätigen
•j Die Hetären waren beritten, Gardereiter, die Pezhetären Garden zu Fuss.
Anmerk. d. Uebers.20*