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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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306
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'306 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.

Während seines achtjährigen Aufenthalts in Theben als Geissei (368 bis360), wo er Epaminondas zum Lehrer und Vorbild hatte (dem seine Er-ziehung anvertraut worden war,. erhielt er eine ausgezeichnete grie-chische Bildung und lernte die Kriegskunst und die militärischen Einrich-tungen der Griechen vollständig und aufs Genaueste kennen. Mit unge-wöhnlichem Verstände begabt, erkannte er alle Vorzüge und alle Mängelderselben, und mit weiten ehrgeizigen Plänen bezüglich Macedoniens undGriechenlands sich tragend, begriff er, welche ausserordentlichen Vor-theile ihm erwachsen müssten aus der Errichtung eines macedonischenstehenden Volksheeres, das nach dem Vorbild der Griechen regelrechtorganisirt, aber frei wäre von allen Fehlern derselben, und von ihm per-sönlich befehligt würde. Bei der Nachricht von dem Tode seines ältestenBruders, des macedonischen Königs Perdikkas III., der in einer Schlachtmit den Illyriern (360) gefallen war, floh er aus Theben nach Macedonien,schützte dieses Land nach aussen, stellte die innere Ruhe und Ordnungher und wurde 359 zum König desselben ausgerufen; und nun beganner sogleich zur Ausführung seiner Ideen zu schreiten. Indem er diestaatliche Organisation und Verwaltungsform des macedonischen König-reichs so einrichtete, dass er die ältesten patriarchalischen Formen desgriechischen Gemeinwesens im Wesentlichen unverändert beibehielt undsie mit den späteren Früchten ihrer hochentwickelten Civilisation und Bil-dung zusammenschmolz, gab Philipp seinem Staate auch die hiermit ver-bundene regelmässige militärische Organisation. Die Details derselbensind leider unbekannt; im Wesentlichen bestanden sie in Folgendem:

Um sich und dem Throne den höchsten durch Geburt hervorragendenAdelsstand des macedonischen Volkes, welcher seit undenklichen Zeitendie höchste Macht und den grössten Einfluss auf die öffentlichen Ange-legenheiten besass, zu gewinnen und dadurch die königliche Würde zu er-höhen und sein Ansehen zu vermehren, umgab sich Philipp mit dem mace-donischen Adel, indem er einen prächtigen königlichen Hof daraus bildeteund aus der adligen vornehmen Jugend eine auserwählte Schaar königlicherLeibwache formirte, unter dem Kamen Agerna der Hetären*) guteFreunde, Kameraden, Gefährten des Königs. weil sie ihm beständigGesellschaft leisteten). Ueberall den König umgebend, überallhin ihnbegleitend und in den Schlachten unter seiner persönlichen Führungkämpfend, waren die Hetären, so zu sagen, Bürgen für die Treue deshohen Adels gegen den König und bildeten gleichzeitig eine Pflanzschule

*) Agema hiesa bei den Macedoniern bis zu Philipp eine Schaar auserlesenerKrieger, die des Königs Leibwache bildete. Einige nehmen an, dass sie der ersteVersuch einer Phalanx gewesen sei. Die Bezeichnung Agema blieb unter Philipp,Alexander d. Gr. und bei allen Königen beibehalten, die in der alexandrischen Mon-archie noch nachfolgten, und galt immer für die Schaar der königliehen Leibwache.