11. Krieg zwischen Sparta u. Theben. Agesilaus, Pelopidas u. Epaniinondas. 279
Nach seinem Abzüge setzte Phöbidas, der Befehlshaber der spartanischenBesatzung von Thespiä die Plünderung und Verheerung des thebanischenGebiets fort. Die Thebaner aber, welche dem Gefecht mit dem ganzenspartanischen Heere ausgewichen waren, so lange es Agesilaus persön-lich befehligte, rückten jetzt, geführt von Pelopidas, kühn gegen das soviel schwächere Corps des Phöbidas vor, schlugen es bei Thespiä undverheerten nun die benachbarten böotischen-Länder, hatten neuen Muthgewonnen und sich erheblich verstärkt (378).
Im folgenden Jahre (377) hatte Agesilaus bei Zeiten die Strassenüber den Citbäron besetzt und drang wieder in Böotien ein, — und wiederwichen die Thebaner einem allgemeinen Kampfe mit ihm aus, führtenaber thätig und wirksam den kleinen Krieg und brachten ihm ebensovielVerlust und Schaden bei, als er ihnen durch die Plünderung und Ver-wüstung ihres Landes zufügte. Darauf beschränkten sich übrigens seineThaten und Erfolge in Böotien. Er kehrte in den Peloponnes zurück, woer dann durch eine schwere Erkrankung längere Zeit an der Führungdes Heeres verhindert war, welches seitdem von dem unerfahrenen undunfähigen Kleombrotus commandirt wurde. Die unter seinen Befehlenstehenden Spartaner setzten ihre jährlichen Einfälle in Böotien fort, aberstets mit demselben Misserfolge und mit immer zunehmendem Schadenfür sich selbst. Denn die Thebaner blieben beständig ihrem früherenVerfahren getreu, lehnten jede grössere Schlacht ab und führten denkleinen Krieg äusserst thätig, gewandt und erfolgreich, indem sie jedemögliche Gelegenheit ausnutzten, wo sie vereinzelte Erfolge über dieSpartaner davontragen oder ihnen theilweise Niederlagen beibringenkonnten. Die täglichen Scharmützel mit ihnen, wenn auch ohne grosseentscheidende Erfolge, waren doch ausserordentlich wichtig dadurch,dass sie 1) den Thebanern eine gewisse Uebung im Kriegswesen ver-schafften, worin sie lange nicht so erfahren und gewandt waren, als dieSpartaner, die ihr ganzes Leben hindurch sich damit beschäftigten, unddass sie 2) den Muth der Thebaner entflammten, ihre Körper stählten,ihnen kriegerische Erfahrung gaben und das unerlässliche Selbstver-trauen einflössten. So wurden die Spartaner gewissermassen selbst, sehrgegen ihren Willen, die Lehrmeister der Thebaner in allen kriegerischenDingen. Mehr aber noch als den Spartanern waren die Thebaner indieser Hinsicht ihren verdienten Führern zu Dank verpflichtet, welchemit glücklichem Griff stets die zum Angriff auf die Spartaner günstigstenGelegenheiten erfassten, die Thebaner zur rechten Zeit und Stunde inden Kampf führten und stets über die Spartaner mehr oder minder wich-tige Erfolge davon trugen. Pelopidas, der um diese Zeit einer der siebenthebanischen Böotarchen war und persönlich die erst neuerdings errich-tete thebanische heilige Schaar befehligte, gebührt besonders die Ehre