246 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
schickten. Sie selbst zogen längs dem Meeresufer dorthin, oder auch ineiniger Entfernung von demselben durch die Länder der Kolchier, Mos-synöken, Tibarener und anderer eingeborner Stämme, bei der Mehrzahlderselben auf heftigen Widerstand stossend, und nicht selten gezwungenmit ihnen zu kämpfen und sich ihren Weg mit den Waffen zu bahnen.Auch ihre Lebensmittel mussten sie mit Gewalt erlangen; noch mehraber bestrebt, ihre habgierigen Absichten zu befriedigen, führten siefortwährend vereinzelte, kleinere und von einander unabhängige Unter-nehmungen aus ^Expeditionen) oder machten mit kleinen AbtheilungenEinfälle in die zunächst am Wege liegenden Gebiete. Indem sie so plün-dernd und verwüstend das am Wege liegende Land durchzogen, wobeisie sich häufig Auflehnungen gegen ihre Oberen, Eigenmächtigkeitenaller Art und die gröbsten Unordnungen erlaubten, brachten sie die Ein-gebornen, wie die Perser gegen sich auf, erregten den Unwillen dergriechischen Colonien, und Unruhe und Besorgniss selbst in Sparta.
Bei alledem ist dieser Theil des Bückzugs nicht weniger beachtens-werth und lehrreich in militärischer Beziehung, als die drei ersten. Auchhier, wie in den früheren Momenten, sind die Erfolge der griechischenKriegskunst zu betrachten, als deren Haupturheber wiederum Xenophonerscheint. Der moralische Einfluss des Letzteren auf das Heer zeigt sichnoch im hellsten Lichte und von grösstem Nutzen; denn durch seineKraft der Ueberzeugung und Gabe der Kede, bisweilen durch geschicktangewandte List und andere Mittel gelang es ihm immer, das aufrühre-rische, ungestüme und unruhige Heer zu besänftigen und es dem Gefühleder Pflicht und des Gehorsams aufs Neue zuzuführen.
Wir wollen einige der in Bezug auf den Krieg bedeutsamsten Mo-mente des Zuges von Trapezunt nach Chrysopolis aufführen.
Eine Revue über das Heer, die in Cerasus abgehalten wurde, ergab,dass von den 10,800 Hopliten, welche in der Schlacht bei Kunaxa inBeihe und Glied gestanden hatten, noch 8600 Mann übrig waren, — dieandern 1800 Mann waren in den Affairen mit dem Feinde, durch Schnee,Kälte, Krankheiten umgekommen —, ein immerhin noch nicht bedeu-tende]- Verlust, wenn man die Dauer und Schwierigkeit des Rückzugsund die Länge des Weges bedenkt, der unter fast unaufhörlichem Kampfemit dem Feinde, bei raschem Wechsel des Klimas und der Temperatur,in strenger Winterkälte in den Gebirgen und bei häufigem Lagern unterfreiem Himmel (da es an Zelten gänzlich fehlte) zurückgelegt wor-den war.
Auf dem Wege von Cerasus nach Kotyöra führte, bei dem Durch-marsch durch das Land der Mossynöken, ein Theil des Heeres des Cyrus,welches zu Lande marschirte, unter Mitwirkung der westlichen Mossy-nöken, welche mit den östlichen im Kriege lagen, — einen Angriff gegen