Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

218 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.

nach Chios, Konon aber vereinte sich mit der athenischen Flotte. Theuerkam dieser letzteren der Sieg allerdings zu stehen, denn viele Triremenwaren versenkt oder schwer beschädigt. Ein heftiger Sturm hinderte dieSieger, dass sie den Beschädigten die erforderliche Hülfe bringenkonnten, und so gingen 12 dieser Schiffe mit ihrer gesammteii Mann-schaft unter. Dies gab den Demagogen und der demokratischen Parteiin Athen aus Missgunst gegen die Strategen Anlass, diese wegen Nach-lässigkeit und Nichterfüllung ihrer Pflichten anzuklagen. Ueber sechsderselben wurde ein höchst parteiisches und ungerechtes Urtheil gefälltund sie wurden hingerichtet.

Der Sieg bei den arginusischen Inseln brachte die peloponnesischeFlotte in eine sehr üble Lage, denn da sie von den Persern keine Geld-unterstützung erhielt, so musste sie wieder unthätig bleiben uud littausserdem Hunger. Zum Glück für Sparta übertrug die Regierung aufdie Bitten des Cyrus, der Flotte und der spartanischen Verbündeten denOberbefehl über die Flotte neuerdings an Lysander, ausnahmsweise,der vorliegenden Umstände halber. denn nach den spartanischen Ge-setzen durfte ein und dieselbe Person die Flotte nicht zweimal befehligen.

Alsbald nahmen die Dinge eine andere Wendung. Lysander ver-sammelte die gesammte Flotte bei Ephesus, besserte die Schäden ausund erwarb sich durch Auszahlung der Löhnung aus Cyrus' Schatze dieallgemeine Liebe und Zuneigung, während er zugleich in Allen einenmächtigen Eifer und die grösste Thätigkeit erweckte. Bald hatte er diepeloponnesische Flotte der athenischen an Stärke annähernd gleich ge-macht und beschloss nun angriffsweise gegen die den Athenern unter-worfenen Städte und Landschaften vorzugehen, deren Einkünfte dieeinzigen und letzten Mittel für Unterhaltung der athenischen Flotte bil-deten ; mit dieser selbst wollte er sich in keinen allgemeinen Kampfeinlassen. Nachdem er Cedreä und Lanipsakus mit stürmender Handgenommen (an der Küste Kleinasiens) und in denselben reiche Beutegemacht hatte, versammelte er seine ganze Flotte bei der letzten dieserbeiden Städte. Währender, im Geiniss der Geldunterstützungen vonden Persern, volle Freiheit hatte, nach seinem Ermessen zu handeln,bildeten der in keiner Weise sicher gestellte Unterhalt der athenischenFlotte, die Schwäche der athenischen Regierung und die dortigen inne-ren Wirren und Unruhen lauter Hindernisse für Konon's Unternehmun-gen , die ihm Nichts von Belang zu thun gestatteten. Aber Unthätig-keit war unter diesen Verhältnissen das Allerschlimmste, und dieStrategen . zu einer Entscheidungs - Schlacht mit der peloponnesischenFlotte entschlossen, segelten mit 108 Triremen nach Sestus. Nachdemsie nahe dabei, bei Aegos-Potami Lampsakus gegenüber, ein Lageraufgeschlagen hatten, rückten sie bald in Schlachtordnung gegen die