8 Bei'pelöppnnesis'che Kriog. 193
I.Erste Hälfte des Krieges (431-422).
§. 53.Der Anfang und die zwei ersten Kriegsjahre (431—430).
Der Krieg begann mit dem eigenmächtigen plötzlichen Ueberfall von >; fPlatäa durch die Thebaner, — welche Stadt diese schon längst unter ihre''Botmässigkeit hatten bringen wollen.
Der Rath des peloponnesischen Bundes hatte kaum in Korinth be-schlossen, den Krieg an Athen zu erklären, als ohne jeden Befehl, ja so-gar ohne Vorwissen desselben die Thebaner einen etwas Über 300 Mannstarken Haufen Kriegsvolk zur Wegnahme von Platäa durch nächtlichenTeberfall entsendeten, dein zur Unterstützung ein Heer nachfolgte imFrühjahr des Jahres 431 . Dem Vortrupp, der sich verdeckt der Stadtgenähert hatte , gelang es bei nächtlicher Zeit in dieselbe einzudringenund sich mitten darin festzusetzen. Aber als bei Tagesanbruch die Pla-fäer sich Von der geringen Anzahl der Thebaner überzeugten, überfielen,sie sie von allen Seiten, erschlugen einen Theil und zwangen die Mehr-zahl, sich zu ergeben: nur Wenige vermochten sich zu retten. Das the-banische Heer wurde zur Umkehr gezwungen, denn die Platäer drohten,falls Jene weiter vorrückten, die Gefangenen zu tödten. Aber kaumhatten die Thebaner den Bezirk von Platäa geräumt, als die Platäer diethebanischen Gefangenen hinrichteten, sich zu hartnäckiger Verfhei-dignng rüsteten und die Athener um Hülfe anriefen, welche ihnen dennauch ein Truppencorps zur Verstärkung sandten.
Auf die Nachricht von den Ereignissen in Platäa rückten ungefähr60,000 Mann des peloponnesischen Bundes unter Anführung von Archi- ■damus in Attika ein und verwüsteten es. Da sie aber die Athener nichtaus Athen heraus zu locken vermochten und Mangel an Lebensmittelnlitten, auch erfuhren, dass ein athenisches Geschwader die Küsten vonElis und Achaja verheerte, während ein anderes die von Lokris ver-wüstete, so musste Archidamus ohne Erfolge in den Peloponnes zurück-kehren. Nach seinem Abzüge verheerten die Athener zu Lande und zurSee das Gebiet von Megara und schlössen Bündnisse mit dem KönigeSitalees von Thracien und dein König Pcrdikkas von Macedonien.
Im folgenden Jahre '430) fiel das peloponnesische Heer unter Archi-damus wieder in Attika ein und begann wiederum es zu verwüsten.Aber nach zehn Tagen schon eilte es zum Peloponnes zurück, aus Furchtvor einer Seuche, welche mit schrecklicher Gewalt in Attika und beson-ders in Athen wüthete, wo der Zusammenfluss der vielen eng und schlechtin der Stadt untergebrachten Menschen sie wohl sehr beförderte. Trotzdieser furchtbaren Seuche verwüstete Perikles vom Meere aus Epidaurus
tialitz in, Alldem. Kriegsgeschichte. I, I. ' •>