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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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8. Der pelopcranesische Krieg. 19]

einander auftraten. Alle diese "Vorkommnisse waren aber doch nur ver-einzelt und nur auf Theile sich erstreckend, bis ein besonderer Umstandden offenen Krieg zwischen Athen und Sparta herbeiführte und ganzGriechenland in denselben verwickelte. Das war die Einmischung Athensin den Streit zwischen Korinth und Korcyra über Epidamnus, eine vonden Korinthern einst in Illyrien gegründete Stadt, am Ufer des adriati-schen Meeres, in welcher das Volk die Vornehmen verjagt hatte (436 .Diese Letzteren belagerten Epidamnus mit Hülfe der Illyrier; die Korintheraber schickten ihr Flotte und Heer zu Hülfe und brachten dadurch dieKorcyräer gegen sich auf. Von diesen geschlagen, führten sie danneine so starke Armee gegen dieselben ins Feld, dass Korcyra sich ge-nöthigt sah, die Athener um Hülfe anzugehen. Diese schlössen Anfangsnur ein Trutzbündniss mit den Korcyraern, nahmen sie aber 432 offen inihren Bund auf und unterstützten sie durch ihre Flotte. Aus Eache hier-für reizten die Korinther durch Intriguen die seit lange den Athenernzinspflichtige Stadt Potidäa in Macedonien, die früher korinthischePflanzstadt gewesen war, zum Aufstand und bald darauf Sparta unddessen Verbündete zum Kampf gegen Athen auf. Vergebens bemühte sichder König Archidamus von Sparta, diese Staaten vom Kriege abzuhaltenund sie dazu zu bewegen, dass sie die Differenzen durch Unterhandlun-gen und friedliche Massregeln beseitigen möchten. Die Leidenschaftenwaren schon zu heftig entbrannt, und als die Athener (432) Poti-däa belagerten, forderten die Spartaner, dass sie die Belagerung auf-höben , die Alkmäoniden (folglich auch Perikles) verbannten, das gegenMegara erlassene Verbot, mit Athen Handel zu treiben, zurücknähmenund die Unabhängigkeit aller ihrer Bundesgenossen anerkennten. AufAnrathen des Perikles verwarfen die Athener diese Forderungen ganzentschieden, und nun erklärten die Spartaner ihnen den Krieg.

Die relative Lage beider Gegner vor Beginn des Krieges war diefolgende:

Die Athener waren schwach zu Lande, aber stark zur See. IhreVerbündeten waren alle Inseln des ägäischen Meeres (Thera und Melosausgenommen), alle griechischen Ansiedelungen in Macedonien, Thra-cien, dem Hellespont und Kleinasien, ausserdem die Provinzen Thessa-lien und Akarnanien, die Städte Platäa und Naupaktus, und die InselnKorcyra, Zakynthus, Chios, Samos undLesbos. Die Athener herrschtenmit fast unbeschränkter Macht über diese Bundesgenossen, und da sieeinen vollen Schatz und eine starke Flotte besassen, so hatten sie aufihrer Seite den grossen Vorzug der Einheit und Kraft des Oberbefehls,Ueberfluss an Geldmitteln, das Uebergewicht an Streitkräften zur See,und die Seeherrschaft. Ihre Verbündeten gehorchten ihnen aber ungern,waren sogar äusserst feindlich gesinnt und stets bereit zum Abfall und