ß. Die Griechen. ]51
lieit der Sitten, Gebräuche und militärischen Einrichtungen bei den vielenA^ölkern Griechenlands, hier mit mehr, dort mit weniger strenger Ord-nung und Vorsicht geschehen sein.
Die Feldbefestigungen und die befestigten Linien, welche die Grie-chen zur Verstärkung oder zum Schutz besondrer Punkte anlegten, oderum grössere oder geringere Strecken Landes zu decken, oder bei derEinschliessung feindlicher Städte, oder endlich zur Verbindung zwischenStädten, welche dem Meere nahe lagen, mit deren Hafen (wie z. B.Athen.mit dem Piräeus, Korinth mit Lechäum etc.), bestanden zuweilenaus Erdwällen mit Graben, Pfahlzaun oder Hurdenzaun iFlechtwerk),Verhauen etc., grösstentheils aber aus verschiedenartigen, mehr oderweniger complicirten Erd-, Holz- oder Steinbauten. Als Beispiel können-die Mauern dienen, welche Archidamus, König von Sparta, um die StadtPlatäa aufführte, als er sie im dritten Jahre des peloponnesischenKrieges (429) einschloss. Diese Mauern waren von Ziegelsteinen undvon Erde, eine von der andern'13 Fuss entfernt. Quer darüber von einerzur andern waren Querbalken gelegt, auf denen ein, sowohl nach demfreien Felde hin, wie nach der Stadt zu durch Zinnen gedeckter Gangerbaut wurde; jedesmal nach 10 Zinnen war ein kleiner hölzerner Thurmerrichtet zum Aufenthalt für die Wachmannschaften und Posten. Dieübrigen Trappen lagen zwischen beiden Mauern. Nach aussen waren vorbeiden Mauern breite und tiefe Gräben ausgehoben, über welche Zug-brücken führten.
Die regelrechten Befestigungen, Belagerungen und Berennungen derStädte, von den Griechen bei den Völkern des Orients entlehnt, wurdenzur Zeit des Perikles und namentlich gegen Ende dieser Periode durchsie wesentlich in praktischer und theoretischer Hinsicht vervollkomm-net und durch ihre eigenen wichtigen und nützlichen Erfindungen be-reichert.
Die griechischen Städte waren meist mit dicken und hohen Stein-mauern umgeben, auf denen wieder steinerne runde oder viereckigeThürme, die Mauern bedeutend überragend, standen, welche in den aus-springenden Winkeln oder dazwischen auf den langen Linien so weitvon einander entfernt standen, dass sie sich gegenseitig noch beschiessenkonnten. Oben auf der Mauer lief ein breiter Gang, nach dem Felde zudurch einen kleinen Steinwall mit Zinnen und Schiessscharten gedeckt,aus denen der Fuss der Mauer beschossen werden konnte. Vor der Stadt-mauer zog sich ein breiter, tiefer, trockner, meist sogar nasser Grabenhin. Innerhalb der Stadt, grösstentheils auf hohen und schwer ersteig-baren Punkten waren die inneren Festungen, Stadtschlösser, Burgen(Citadellen) erbaut, ganz in derselben Weise wie die Stadt selbst be-festigt. So bestanden z. B. die Befestigungen von Athen, Theben und