| 221 I- Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der griech.-pers. Kriege.
Dieser verwüstete das krissische Gebiet, schlug die Krissäer in vielenScharmützeln im freien Felde und belagerte die Hauptstadt des Staates,Krissa. Die Unkenntniss der Griechen in der Belagerung von Städten, diestarke Befestigung von Krissa, die kräftige Verteidigung der Einwohnerund die Verproviantirung aus dem Hafen von Cirrha, mit weichein sie freieVerbindung hatten, — Alles dies war Ursache, dass Eurilochus Krissaweder durch seine Belagerung wegnehmen, noch durch EinSchliessungund Hunger die Bewohner zur Uebergabe zwingen konnte. Neun Jahrewährte schon der Krieg, und die Verbündeten waren nicht nur nicht imStande, ihren Zweck zu erreichen, noch irgend etwas Bedeutendes undEntscheidendes zu thun, sondern sie wurden sogar selbst geschwächt, littenan allem Notwendigen äussersten Mangel und Hessen den Muth sinken.Um ihr Unglück voll zu machen, richteten tödtliche ansteckende Seuchenin ihren Reihen eine grässliche Verwüstung an. Unter diesen Umständengriffen sie, auf Anrathen eines Arztes, zu einem grausamen und schänd-lichen Mittel, um Krissa zu nehmen, — sie vergifteten die Wasserleitung,welche die Stadt mit Wasser versorgte, nahmen bald darauf die Stadtmit Sturm und zerstörten sie von Grund aus, die kleine Zahl der übrig-gebliebenen Bürger aber wurde theils von ihnen erschlagen, theils inSklaverei geschleppt. Dann zogen sie gegen Cirrha, welches nach kurzerBelagerung durch Kriegslist erobert wurde. Die letzte Stadt, Anticirrha,ergab sich ihnen freiwillig. Beide Städte wurden. gleich Krissa, vonGrund aus zerstört und die Einwohner in Sklaverei geschleppt. Nur derHafen von Cirrha. der für das delphische Orakel seiner Nähe wegen be-quem lag, blieb von der Zerstörung verschont.