3. Die Perser. 99
wandte sicli nach Memphis, stiess aber schon nahe bei Pelusium auf denSohn und Nachfolger des Auiasis, Psammenit, der sicli mit seinem fastnur aus griechischen Hülfstruppen zusammengesetzten Heere aufgestellthatte. Nachdem er dies geschlagen hatte und Psammenit nach Memphisgeflohen war, belagerte und nahm Cambyses diese Stadt nach hart-näckigster Gegenwehr der Aegypter, und eroberte nun bald Theben undganz Aegypten. Die unmittelbare Folge hiervon war. dass die Bewohnervon Libyen und die Griechen vom Cyrene sich freiwillig ilim unterwarfen.Nun gedachte er das reiche Ammonien, Aethiopien und Karthago zu er-obern. Der Tempel des Jupiter Ammon, welcher in der libyschen Wüstewestlich von Aegypten lag, besass unzählige Keichthümer und Schätze.Aethiopien war von jeher wegen seines Ueberflusses an Gold und andernkostbaren Landesprodukten berühmt. Karthago aber rühmte sich bereitsseines Handels und seiner Keichthümer und begann in der Form vonHandelsverbindungen seine erobernde Thätigkeitnacli aussen zu richten.Cambyses sandte also einen Theil seiner Truppen (50,000 Mann, vonTheben zum Tempel des Jupiter Amnion, er selbst unternahm mit seinerHauptmacht einen Zug nach Aethiopien. Beide Unternehmungen ende-ten in unglücklichster und elendester Weise. Die zum Ammonstempelentsandte Abtheilung ging in der glühenden Sandwüste vollständig zuGrunde. Auf dem Zuge in das nördliche und südliche Aethiopien oderMeroe, der ohne genügende Vorbereitungen von Cambyses unternommenwar, erduldete sein Heer unglaubliche Drangsale, erlitt ungeheure Ver-luste durch Hunger, Krankheiten und die entschlossene Verteidigungder Aethiopier, und musste ohne irgend welchen Erfolg umkehren. Sokonnte denn auch des Cambyses Plan gegen Karthago nicht zur Ausfüh-rung kommen. Nachdem er seinen Zorn und Aerger an den Aegyptern, na-mentlich der Priesterkaste, ausgelassen, starke persische Besatzungenin Aegypten vertheilt und 6000 Aegypter nach Susa versetzt hatte, kehrteCambyses nach Persien zurück, wo während seiner Abwesenheit dieMagier eine'innere Umwälzung vollbracht hatten. Von da bis zur Thron-besteigung durch Darius Hystaspis lagen die Perser unter einander insteten Bürgerkriegen.
Die Kriege des Cambyses waren nach Zweck und Charakter nur dieFortsetzungen der Kriege des Cyrus. Den Erfolg aber der Eroberungvon Aegypten darf man nicht auf die Geschicklichkeit des Cambyses zu-rückführen, sondern auf die Ohnmacht und den Verfall dieses Landes,wie auf die numerische Ueberlegenheit der persischen Armee. Die Gründedes Fehlschlagens der Unternehmungen gegen Ammonien und Aethiopienlagen ebenso sehr in der ausserordentlichen Beschwerlichkeit derselben,wie in dem übermässigen Selbstvertrauen des Cambyses und in seinerMissachtung von Vorsichtsmassregeln.
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