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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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3. Die Perser. 89

liehe Ausbildung, ihren kriegerischen Geist vollständig' ein. und neigtensich dem moralischen Verfall zu.

Schon unter Cyrus, der durch unablässige Festhaltung der strengenmilitärischen Disciplin unter den persischen So'ldaten den schädlichenEinfiuss der fremden Sitten und Gewohnheiten auf sie zu schwächen ver-stand, ging in dieser Weise kaum merklich und unfühlbar die Verän-derung vor sich. Aber nach seinem Tode entwickelte sich das moralischeUebel rasch, und unter den fortwährenden äusseren Kriegen des Cam-byses und den inneren Unruhen gegen Ende seiner Regierung und unterdem falschen Smerdis konnte das Heerwesen der persischen Monarchienicht die nothwendige und richtige Form behalten.

§ 16-Verschiedene Truppengattungen, Bewaffnung, Aufstellung und

Kampfesart.

Xenoplion in seiner Cyropädie preist die Organisation der persischenTruppen, hesser gesagt, der persischen Kriegerkasten unter Cyrus. Be-kanntlich ist aber diese Cyropädie eine Art kriegsgeschichtlichen Romans,zum Unterricht für den jüngeren Cyrus geschrieben, und Xenoplion hataugenscheinlich darin die von ihm gesammelten Kenntnisse über Lebenund Thaten des älteren Cyrus und über die kriegerische Erziehung derjungen persischen Adligen nach eigner Erfindung verschönert, und ausser-dem seine eigenen Gedanken, Ansichten und Betrachtungen über Kriegs-wesen,i Früchte seiner langjährigen militärischen Erfahrungen, hin-zugefügt. Bei alledem kann man aus der Cyropädie und der Geschichtedes Cyrus als wahrscheinlich entnehmen, dass das persische Heer unterCyrus sich besonders durch strenge militärische Zucht und Ordnung unddurch kriegerischen Geist auszeichnete, und dass es eine gute, obgleicheinfache Organisation besass. welche höchst wahrscheinlich schon kurznach des Cyrus Tode in Verfall gerieth. Die Nachfolger Cyrus', welcheihre Hoffnung auf die numerische Stärke der Streitmittel setzten, überdie sie verfügen konnten, vernachlässigten allmälig zuerst die mili-tärische Ordnung und Zucht. dann die Organisation der Armee..

Die gebirgige Eigenschaft Persiens und die Armuth seiner Bewohner,so lange sie sich durch Eroberungen noch nicht bereichert hatten, warender Grund, dass es nur wenig Pferde in Persien gab, und dass die Perser,da sie nicht zu Pferde kämpfen konnten, bis zu Cyrus und im Anfangeseiner Eroberungszüge ausschliesslich zu Fusse kämpften. Aber in denTreffen mit Medern. Assyriern und den anderen Völkern Mittelasiens,welche, namentlich die Meder, zahlreiche und ausgezeichnete Reiterei be-sassen, überzeugte sich Cyrus von der Nothwendigkeit berittener Truppen