1. Die alten asiatischen und afrikanischen Völker und Reiche. 75
Bild dar, wiederholen sich immer dieselben Erscheinungen. Von Un-einigkeit zerrissen, unaufhörlich in Sittcnverderbniss und Gesetzesilber-tretungen verfallend. ohnmächtig und verzagt, erduldeten die Hebräerhäufige, harte und schimpfliche Misserfolge und Niederlagen, welche dieUnterwerfung des Volkes unter fremdes Joch mit sich führten. Von Zeitzu Zeit wurde dies Missgeschick durch hervorragende und glänzendeThaten, Siege und Erfolge gut gemacht, deren Resultat gewöhnlich dieWiederherstellung der Unabhängigkeit des auserwählten Volkes Gotteswar, und die Haupturheber sind die muthigen Richter und Führer derHebräer, so: Athniel. Barak, Gideon, Jephthah, Simson und Samuel.
Die Periode von der Entstehung der jüdischen Monarchie bis zu ihrerZerstückelung (1095—975) und besonders die Regierung David's (1055bis 1015) bilden die glänzendsten Abschnitte in der Kriegsgeschichteder Juden. Zu dieser Zeit waren mit wenigen Ausnahmen die Waffender Hebräer fast immer sieghaft, und ihre Kriege, obgleich wie früherVertheidigungskriege, enden dennoch grossentheils mit Offensiv-Actionenund Eroberungen nach aussen. Zu diesem Erfolge , vorzugsweise durchentscheidende Treffen im offenen Felde erkämpft, trugen wesentlich dieConcentration und Einheit der Kräfte und des Befehls bei.
Schon der erste König der Juden, Saul, ward zu dieser Würde be-rufen in Folge eines entscheidenden Sieges , den er über die Ammoniterdavon getragen und womit er den Krieg gegen dieselben glücklich be-endet hatte. Ebenso hielt er sich auf dem Throne mit Hülfe glücklicherGefechte mit den Philistern, Arabiten, Syriern und den übriggebliebenenCananitern. Der letzte seiner Kriege gegen die Philister begann mit derNiederlage dieses Volkes in Folge des Sieges, welchen David gegen denPhilister-Riesen Goliath davon trug, und endete damit, dass die PhilisterSaul schlugen und, die inneren Unruhen und Bürgerkriege in Judäa be-nutzend, einen grossen Theil desselben besetzten (1055).
Die Regierung David's begann mit dem Bürgerkriege der elf StämmeIsrael, welche Isboseth, den Sohn Saul's, zum König gewählt hatten, gegenden zwölften Stamm, Juda, welcher allein David zum König erkor.Dieser Krieg dauerte 7 Jahre' M055—1018) mit wechselndem Erfolgeund ward endlich zu Gunsten David's entschieden, durch den Sieg seinesFeldherrn Joab über den Feldherrn Isboseth's Abner. In der nun folgen-den Zeit schlössen die Philister, Moabiter, Edomiter, Ammoniter undHadad-Eser, König von Zoba, einen Bund miteinander und machtenhäufige Einfälle in die Grenzen Judäas. Aber David und Joab schlugensie erfolgreich zurück, trugen den Krieg in ihre eigenen Gebiete und be-endeten ihn durch neue Siege und Eroberungen. So wurden Syrien undEdomäa erobert und die Grenzen Judäas vom mittelländischen Meere biszum Euphrat und von der Grenze Kleinasiens bis zum rothen Meere er-