1. Die alten asiatischen und Afrikanischen Völker und Keiche. 63
Heeres und eröffneten das Gefecht durch Pfeilschüsse und geschleuderteSteine, sobald aber ihre eigenen schweren Truppen herannaheten, gingensie durch die Intervalle zwischen diesen hinter dieselben und fuhrenfort im hohen Bogen über dieselben weg zu schiessen und zu schleudern.Die Streitwagen stürzten mit möglichster Schnelligkeit in einer Linie aufder ganzen Front auf das feindliche Heer, um an einzelnen Stellen es zudurchbrechen und in Verwirrung zu bringen. Die Schwerbewaffneten,Fussvolk und Reiterei, folgten ihnen rasch. Das Erstere, sich mit denSchilden deckend und die Lanze in der Hand, drang in die von den Streit-wagen gerissenen Oeffnungen ein, während die Reiterei die Flanken desFeindes zu umgehen und ihn von hinten anzufallen strebte. Dann ent-spann sich ein Handgemenge, dessen Resultat der entschiedene Sieg des-jenigen -Heeres war, welchem es gelungen war, den Feind zu umfassenund einzuschliessen, — dagegen die fast vollkommene Vernichtung desHeeres, welches sich hatte umfassen lassen. Hieraus folgt: 1) dass, umden Sieg zu gewinnen und die eigene Niederlage zu vermeiden, die Haupt-aufmerksamkeit darauf zu richten war, dass man in der Schlacht dienumerische Uebermacht und eine längere Frontlinie als der Gegnerhatte oder, falls dies unmöglich war, dass man die eigne Front undFlanken durch Streitwagen — selten durch die Oertlichkeit — deckte(denn die Schlachten wurden meist in offenen Ebenen geschlagen), —und 2) dass die leichten Truppen und die Streitwagen den Sieg vor-bereiteten und erleichterten, die schweren aber und die Reiterei ihn ent-schieden.
Gewöhnlich rückten die Heere in die Schlacht und kämpften beimKlange von Trompeten und Hörnern, statt der Fahnen hatten sie Bilderoder Figuren von wilden Thieren, Vögeln etc., die auf Lanzen oder auflangen Holzstangen getragen wurden.
§.5.Befestigungen und Belagerungskunst.
Ueber den Stand der Befestigungs- und Belagerungskunst bei denAssyriern, Babyloniern und Medern sind nur sehr wenige Nachrichtenvorhanden, aus denen man indessen entnehmen kann, dass die Kunst,eine Stadt zu befestigen, bei diesen Völkern bedeutend entwickelt war.Die Befestigungen von Ninive, und besonders Babylon und Ekbatana, wiewir sie bei Herodot und Diodor von Sicilien etc. beschrieben finden, be-weisen dies hinlänglich. Diese ungeheueren Städte waren mit steinernenMauern von gewaltiger Dicke und Höhe umgeben, und hatten ausserdemnoch im Innern Citadellen und feste Königsburgen. So hatten die Um-