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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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Einleitung. 1 ]

Gedanken des preussischen Generalmajors v. Hoyer*) anzuführen, als War-nung vor zu grosser Ueberfüllung, in einer Zeit, wo ein allgemeiner Triebnach ausserordentlicher gelehrter Bildung, ja Ueberbildung , den jungenSoldaten beseelt, der Trieb, sich mit zu vielem Wissen zu befassen und dadurchdie Zeit unnütz zu zersplittern, welche er seinem Beruf widmen soll.

»Wenn es auf der einen Seite ein angenehmes Gefühl ist, sich ein gelehrtesAnsehen geben, die Fehler eines Heerführers aufsuchen und kritisiren zu kön-nen, muss auf der anderen Seite der Officier in niederen Verhältnissen zu vielEhrliebe besitzen, um sich Unwissenheit im kleinen Felddienste, in dem, waseigentlich seines Amtes ist, Schuld geben zu lassen, um durch Mangel an Auf-merksamkeit auf Kleinigkeiten (l) seine Vorgesetzten und seine Untergebenenin Verlegenheit und Gefahr zu bringen. Nur dann, wenn der Lieutenant undCapitain die Pflichten seiner individuellen Stellung kennt und mit Liebe undEifer ausübt, kann und darf er daran denken, sich zu einer höheren Bestim-mung vorzubereiten. Der General von Lossoiv, einer der ehrenwerthesten Kriegerunserer Zeit, sagt: »Der Krieger muss soviel wissen, als der Posten, auf demer sich befindet' von ihm fordert, muss aber auch gerade so viel auszuführenimstande sein, als er an Kenntnissen besitzt.« (Der Krieg für wahreKrieger, 1815, S. 259). Gleicher Meinung in Rücksicht dieses Gegen-standes sind auch der geniale De Ligne. der gelehrte Valentini, der umsich-tige Canitz, der scharfsinnige Brandt und der verständige Verfasser von Lichtund Schatten, 1829. Der Vielwisser (nach Kotzebue's, Schilderung)ist in jedem Fache unangenehm, im Soldatenstande aber vorzüglich schädlichund unerträglich!«

Hier mag eine Bemerkung angeknüpft werden, welche für die Forschung,wie für die Darstellung, wie für das Studium der Kriegsgeschichte gleichmässiggilt. Die Literatur derselben weist leider viele Beispiele auf, dass sich Forscheroder Schriftsteller zu vorgefassten, oft unwahren, nicht selten ganz falschentheoretischen Ansichten, Meinungen, Voraussetzungen und sogar zu Regeln undTheorien fortreissen lassen, als ob diese ohne Weiteres aus der Kriegsge-schichte zu abstrahiren wären. Aber die Kriegsgeschichte hat daran gar keinenTheil und keine Schuld: ihre Wahrheiten sind unveränderlich. Der menschlicheGeist dagegen ist nicht frei von Irrthümern und Fehlern bei seinen Betrach-tungen und Urtheilen, namentlich wenn er sich beharrlich auf eine vorgefassteMeinung (idee fixe) richtet. Unter ihrem Einflüsse und dem einer dem Men-schen bisweilen angeborenen Eitelkeit, welche durch Aufstellung einer neuenTheorie glänzen will, werden die Wahrheiten und Ergebnisse der Kriegsge-schichte leicht entstellt, verdreht, in falsches Licht gesetzt, und so wird man

*) Handbibliothek für Officiere etc. 2. Bd.: Literatur der Kriegswissenschaftenund Kriegsgeschichte, bearbeitet von Dr. J. G. v. Hoyer, kgl. preussisclier General-major, Berlin 1832.