64. Allgemeiner Ueberbliek über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 563
es allein uns den Sieg verleihe. Diejenigen, welche den Erfolg im Kriegedem Zufall beimessen und annehmen, dass die Handlungen des Feldherrnkeinen Antheil daran haben, befinden sich in einem groben Irrthum.Ebenso ungerecht ist es, das Glück wegen des Verderbens eine Armeeanzuklagen und den Feldherrn der Ehre des Sieges zu berauben, indemman dem Zufall beimisst. was nur eine Folge des klugen Verhaltens desFeldherrn ist. Es ist natürlich, dass man mehr den Autoren glaubt,welche selber Erfahrungen gesammelt haben, als jenen, welche nur dieTheorie kennen, obgleich häufig die Einen nur geringe Gründlichkeit und"Wahrhaftigkeit, die Andern eben so wenig Genauigkeit und eigenesErlebthaben beanspruchen können. Mein Unternehmen erfordert, dassich hiermit einem ungerechten Vorurtheil vorbeuge. Mein Buch ist nureine Sammlung von Bemerkungen über die hervorragendsten Kriegs-ereignisse des Alterthums und über die glaubwürdigsten authentischenSchriften derjenigen Kriegsleute, deren würdige Nachkommen noch diegleiche Neigung tarn Kriegswesen und zum Ruhme sich bewahrt habenUnd darin alle übrigen Völker übertreffen. Die Regeln. welche ich auf-stelle, sind also nicht von mir im Zimmer ausgesonnen, sondern das. wasich sage, ist auf die Praxis gegründet. Die Beispiele dafür finden sichin den verschiedenen von den Römern geführten Kriegen, denn ich habesorgfältig Alles zusammengesucht, was diese grossen Lehrmeister in derKriegskunst wirklich ausführten. um Gefahren zu vermeiden und Hin-dernisse zu überwinden. Ein Schriftsteller, der etwas Neues verspricht,wird Leichtgläubigen bewundernswerther erscheinen, als Derjenige, wel-cher dem Ansprüche entsagt. Etwas zu erfinden. Nicht nach diesemRuhme strebe ich. Ein Heerführer, der ein System des Krieges entwirft,wird sein Verdienst nicht schmälern. indem er bei Andern das seinem•Gegenstande Eigenthümliche entlehnt und sich nicht damit begnügt. nurauf sich selbst hinzuweisen. Deshalb kann es meinem Buche nicht alsMangel angerechnet werden, dass ich darin von bekannten Dingen rede.Ich bekenne es offen, dass ich aus fremden Quellen geschöpft habe. Esergiebt sich daraus für mich der Vortheil, dass man meine Wahrhaftig-keit nicht bezweifeln kann, und dass ich weniger Neider haben werde.«
Man muss zugeben. dass alle diese Gedanken und RaisonnementsOnosander's sehr richtig und beachtenswerth sind, die Bedeutsamkeitund den Werth seines Werkes erhöhen, es wesentlich von den Schriftendes Frontinus , Po 1 yänus, und selbst Vegetius unterscheiden undes eines sorgfältigen Studiums würdig machen. Da es unmöglich ist,hier auf eine nähere Betrachtung seines Inhaltes einzugehen . so müssenwir uns darauf beschränken, nur den Inhalt eines jeden der 33 Capiteldesselben anzugeben:
Im 1. Kapitel ist von der Auswahl des Feldherrn und den Eigen-
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