64. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Altcrthums. 561
Vorstellungen und Begriffe darstellen, — die übrigen Kapitel in gleicherWeise vom taktischen Standpunkte aus. Beim Schluss des 3. Buchessagt Vegetius. dass er in demselben das Wesentlichste, die Quint-essenz der Kriegsregeln oder Fundamental - Grundsätze gegeben habe,welche von den besten römischen Schriftstellern auf Grund der Erfah-rungen aller Zeiten aufgestellt und der Nachwelt überliefert wordenseien; dass bei Angabe der Regeln für alle Theile des Kriegswesens eres für nöthig erachtet habe, denselben noch einige andere mit Bezug aufdie grosse Kunst, zu fechten, oder besser gesagt zu siegen, hinzu zu fügen.
Im 4. Buche ist in 30 Kapiteln von Festungen oder festen Städtendie Rede, von der Befestigung, dem Angriff und der Vertheidigung der-selben und von allen dazu anwendbaren Mitteln, von den Kriegsmaschinenund -Geschützen zu Angriff und Vertheidigung, und von Allem, was derBelagerte wie der Belagerer zu beobachten und zu thun hat.
Das 5. Buch endlich handelt in 15 Kapiteln von den römischenFlotten und deren Anführern, von den Schiffen und deren Construction,von den Winden, von den 4 Jahreszeiten, den Stürmen, Ebbe und Fluth,von den Ruderknechten (Matrosen), von den See-Maschinen, -Geschützenund -Waffen, von den Kriegslisten zur See und von den Seeschlachten.
Man ersieht hieraus, dass das Werk des Vegetius in der That alleZweige des Kriegswesens und der Kriegskunst umfasst, in dem Sinneund der Gestalt, wie sie im Alterthum überhaupt vorhanden waren.
§. 470.Das Werk Onosander's.
Onosander war, nach des Suidas Angabe, ein Philosoph derplatonischen Schule. Die Zeit, in welcher er lebte, ist nicht genaubekannt. Es ist nicht wahrscheinlich, dass Quintus Verannius, demer sein Werk gewidmet hat, derselbe sei. welchen Tacitus erwähnt.Die Biographen Onosander's stellen als unzweifelhaft hin, dass erein Zeitgenosse des Kaisers Claudius I. (41—54 n. Chr.) gewesen,aber das ist dennoch zu bezweifeln. Aus dem Umstände, dass Ono-< s a n d e r, der Philosoph, eine Anleitung für Feldherren zu schrei-ben wagte, muss man schliessen, dass er zu einer Zeit des äusserstenVerfalls des Kriegswesens bei den Römern, also im 3., 4., oder sogar5. Jahrh. n. Chr. lebte. Da er aber von Göttern, Opferpriestern,Opfer spenden, Auspicien oder Opferanzeichen und ähnlichenheidnischen Gebräuchen und Aberglauben redet, möchte man eher an-nehmen, dass er im 3. Jahrh., und jedenfalls nicht später als in der1. Hälfte des 5. Jahrh. lebte, als das Christenthum im römischen Heerenoch nicht zur Herrschaft gelangt war.
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,5. 36