64. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 553
Titel legt ihnen allein nur der antike Schriftsteller Onosander bei,indem er sein Werk über die Kunst der Kriegführung oder die Kunstdes Feldherrn — ^TQartjyiy.dv löyov, Strategologie v in latei-nischer Uebersctzung: de imperatoris institutione) nennt. SelbstVegetius wendet in seinen fünf Büchern Do re militari, die un-mittelbar vom Feldherrn handeln, und besonders in dem dritten Bucheüber die grossen Kriegsoperationen, niemals, wie Onosander, dasWort Strategie an. Eine genauere Betrachtung der Werke dieserbeiden Schriftsteller, wie auch des Front inus und Pol y an us , wirdam besten das Gesagte bestätigen.
Der Zeitfolge nach betrachten wir zuerst die Werke des Frontinusund Polyänus.
§. 468.Die Werke des Frontinus und Polyänus.
Frontinus, der zur Zeit Trajans, und Polyänus, welcherunter Marc Aurel und Comniodus lebte, also nicht lange nach ein-ander im 2. Jahrh. n. Chr., schrieben über einen und denselben Gegen-stand, über Strategeme oder Kriegslisten, allerdings jeder ineigenthümlichcr und nicht gleich verdienstlicher Weise. Frontinus,im Consularamte und Praetor von Rom unter dem zweifachen Consulatedes Vespasian und Titus, führte einen Krieg in Britannien, wo erdie in dem heutigen Wales sesshaften Silurier unterwarf; er schrieb alsKriegsmann, sein Werk ist mehr methodisch uud ernst. Polyänus da-gegen war ein Redner in Macedonien, Advokat am kaiserlichen Hofe, einGelehrter, und sein Werk behandelt die glänzendsten Thaten der berühm-ten Feldherren aus den vorhergegangenen Jahrhunderten. Es entsprichtaber nicht immer ganz genau seinem Titel, welchem gemäss es sich aufKriegslisten allein hätte beschränken müssen: im Ganzen bietet esübrigens Miscellen nicht ohne Bedeutung und Werth. Eine eingehenderevergleichende Kritik beider Werke wird unten folgen, nachdem wir jedesbesonders betrachtet haben.
Das Werk des Frontinus führt den Titel Strategematiconlibri tres, Strategicon liber icnus, es enthält:
Im ersten Buche : Das, was vor der Schi acht geschieht.1. Kapitel: Von der Verheimlichung der Anschläge; — 2. Kapitel:von Erforschung der Absichten des Feindes; — 3. Kapitel: man musssich stets der eigenen Lage und der des Feindes anpassen; — 4. Kapi-tel: von Führung eines Kricgsheeres durch Oerter, die vom Feinde ge-sperrt sind; — 5. Kapitel: von dem Entkommen aus gefährlicher Lage;— 6. Kapitel: von Verstecken an der Marschstrasse; — 7. Kapitel: