63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Altertliums. 531
denselben zeichneten sich ausser den oben genannten gegen Ende desKrieges und nach demselben aus: Thrasybulus, Konon, Iphi-krates, Chabvias, Timotheus, Lysander, Pelopidas undganz besonders AgesilausundEpaminondas, welche alle Uebrigensowohl in der Kunst der Kriegführung wie an Ruhm der Kriegsthatenübertrafen.
Agesilaus trug zuerst den Krieg gegen die Perser nach Asienhinein und war ganz der Mann, um Alexander d. Gr. den Weg zur Er-oberung Persiens zu zeigen und zu erschliessen. Ihm selbst war es nichtbeschieden, auf diesem Wege weiter vorzudringen, aber auch dies schonbringt ihm grosse Ehre, dass er ein so hohes Ziel in's Auge zu fassenwagte. Seine Feldzüge in Kleinasien gegen die Perser, und dann seifiewie des Epaminondas Campagnen in Griechenland zeigen eine Reihevon geschickten strategischen Entwürfen, Märschen und Operationen undbeweisen die ungewöhnliche kriegerische Begabung dieser beiden be-rühmten Feldherren, sowie die hohe Stufe, auf welche sie die Kunst derStrategie in Griechenland gehoben, und welche dann die würdige Vor-stufe der höchsten Entwickelung in den Feldzügen Philipp's und Alexan-ders von Macedonien ist.
In dem Letzteren namentlich fand die strategische Kunst endlichden grossen Menschen, Monarchen und Feldherrn, welcher, vollkommenfrei von jeglicher Abhängigkeit und Einengung in seinen Handlungen,zuerst im Alterthum diese Kunst auf eine Höhe brachte, welche sie bisdahin nie und nirgend inne gehabt hatte. Nicht mehr sich mit den engenGrenzen des kleinen Griechenlands und mit den geringfügigen Dimen-sionen von dessen inneren Kriegen begnügend, erhob sie sich zu Zweckenund Maassen grösster und weitester Art, und konnte unter diesen Be-dingungen und dem Einflüsse der hohen Gaben Alexander's sich inbreitester und bislang nicht vorgekommener Weise entwickeln. Schondes Zweckes halber, den sein Krieg gegen Persien verfolgte, wie auchwegen seiner sehr beschränkten ursprünglichen materiellen Mittel zurErreichung dieses Zweckes tritt Alexander aus der Schaar der gewöhn-lichen Eroberer heraus und steht höher als seine Vorgänger. Bis zuseinem Feldzuge nach Indien hatte er nie über 40,000 Mann, dahermusste auch die Fähigkeit, sie zur Erlangung so grosser Ziele auf soweitem Kriegsschauplatze zu verwenden, den Stempel der Erhabenheitan sich tragen. Dies stellt Alexander in die Reihe der grössten Feld-herren aller Zeiten und macht seine Thaten mustergültig für die Kunstder Kriegführung in Bezug auf seine Entwürfe dazu, wie hinsichtlich allerder Operationen, der Thätigkeit, klugen Vorsicht, Beständigkeit, Festig-keit und Geduld, mit welcher er diese Unternehmungen zur Ausführungbrachte und die sich entgegenstellenden Hindernisse überwand.
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