518 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Die Mittel zur Verteidigung entsprachen den Angriffsmitteln undwaren verschiedenartig wie diese, da sie das Resultat der momentanenErfindung im Augenblick der Gefahr, wie der Fortschritte der Belage-rungskunst waren. Die letzteren standen Vertheidigern wie Angreifernin gleichem Maasse zu Gebote, namentlich hinsichtlich der Anwendungder Wurfmaschinen und Geschütze. Jeglichem Angriffsmittel wurde dasentsprechende Vertheidigungsmittel entgegengesetzt: so z. B. die Leiter-ersteigung suchte man durch Umwerfen der Leitern oder durch Erhöhungder Mauern mittelst Blendagen zu verhindern, durch deren plötzlicheWegnahme die Leitern dann mit allen darauf befindlichen Kriegern um-stürzten. Ausserdem goss man auf die Letzteren siedendes Fett oderBlei, stinkende Flüssigkeiten, schüttete glühenden Sand, warf grosseSteine, Balken u. s. w. auf dieselben herab. Gegen die Erdaufwurfe derBelagerer sicherte man sich durch Verstärkung der Vertheidiger und derMaschinen auf der angegriffenen Front, Erhöhung der Mauern im selbenMaasse wie der Damm wuchs, suchte diesen bei Ausfällen oder durchMinen und andere Mittel zu zerstören. Wenn dies nicht gelang oder un-möglich war, so wurde hinter der angegriffenen Mauer eine zweite auf-geführt, wie dies z. B. bei der Belagerung von Plataea und Tyrus, Hali-carnass, Athen und Rhodus geschah.
Um sich gegen feindliche Geschosse zu schützen, wie auch zurAction der eigenen Geschütze, wurden die Stadtmauern und Thürmedurch Brustwehren erhöht und mit bedeckten Gallerieen oder Gängenversehen.
Zur Sicherung der Kriegsmaschinen gegen Verbrennung wurden siemit Essig nass gehalten, oder mit Eisen, Kupfer, Blei, rohen Fellen,Rasen u. dgl. bedeckt.
Eines der Hauptvertheidigungsmittel war die Verbrennung der Be-lagerungsarbeiten und Maschinen durch brennende Pfeile oder andereGegenstände, wovon im § -460 noch die Rede sein wird.
Gegen die Breschirung durch den Widder bedeckte man die Mauervon oben bis unten mit Sandsäcken, oder Säcken gefüllt mit Steinen,Holz, oder Wolle, oder mit Hürden, Rasen, Segeltuch u. s. w. Ausser-dem suchte man den Widder selbst mit Tauen zu umwinden und in dieHöhe zu ziehen, oder seinen Kopf durch schwere Balken und Steine ab-zubrechen. Das Gelingen dieser Versuche bei den Plataeern unter gleich-zeitiger Aufführung einer zweiten Mauer veranlasste die Peloponnesierzur Umwandlung der Belagerung von Plataea in eine Einschliessung.Gegen den Widder wurde auch der Rabe, corvus, ein Balken mitKlauen, angewendet, der ihn fasste und ihn in die Höhe zog, bisweilensogar ein Gegenwidder durch die Maueröffnung der Bresche.