5] 2 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
dass er zuerst Magazine für Belagerungs- und Vertheidigungsmaterialanlegte.
Einige griechiche Schriftsteller schreiben den Griechen die Erfindungvon künstlichen Mitteln zur Belagerung und Eroberung von Städten zu.Da aber von solchen weder bei den Belagerungen von Theben und Troja,noch auch von Ithorne und Iva die Bede ist, so erscheint es unzweifelhaft,dass die Kenntniss und der Gebrauch derselben aus Asien nach Griechen-land herüberkam.- Den Griechen gebührt jedoch die Ehre, sie vervoll-kommnet und neue hinzu erfunden zu haben.
Eine gewisse Vervollkommnung der Belagerungskunst wird erstzur Zeit des peloponnesischen Krieges bemerkbar. Aber mit Alexan-der d. Gr. und Demetrius Poliorcetes erreicht sie bei den Griechenihre höchste Vollkommenheit. Die Letzteren dienten hierin den Römernzum Muster, welche unter allen Völkern des Alterthums sich nicht alleindurch neue Erfindungen, sondern auch durch Anwendung der bereits vor-handenen Belagerungsmittel in ungeheueren Dimensionen hervorthaten.Der Anfang davon fällt in die Zeit des dritten punischen Krieges und dieEhre gebührt dem Scipio. Später verstand es Cäsar, der esAlexander d. Gr. und Demetrius Poliorcetes gleich thut, durchdie Kraft seiner aussergewöhnlichen Begabung mit solcher Meisterschaftauch diesen Zweig der Kriegskunst zu beherrschen, dass er dadurch dashöchste Erstaunen hervorruft. Endlich wurden unter den ersten Kaisernbei den Belagerungen alle die Mittel entfaltet, welche als die letztenGrenzen der Poliorcetik im 3., 4. und 5. Jahrb. n. Chr. und überhauptim Alterthum erscheinen, und in diesem Zustande dann auf das Mittel-alter weiter vererbt werden.
Kein einziger Zweig der Kriegskunst ist wie die Poliorcetik ge-eignet zur Anregung des menschlichen Erfindungsgeistes auf dem Ge-biete der Wissenschaften, der Kunst und Industrie. Darum vermehrtensich auch die Hülfsmittel derselben auf das Verschiedenartigste in demMaasse wie die Cultur fortschritt.
Bei Betrachtung der Mittel, welche zur Bezwingung der Städtedienten, sieht man, dass sie zum Zwecke hatten: entweder die Ersteigungder Stadtmauern, oder die Zerstörung derselben an einer bestimmtenStelle, und zugleich die Sicherung der Belagerer gegen die Vertheidigerund gegen Hülfe von aussen. Die Vertheidigung dagegen verfolgte um-gekehrt den Zweck, mit allen möglichen Mitteln sich dem zu wider-setzen. Durch diese beiderseitigen Anstrengungen bestimmte sich derCharakter des Festungskrieges im Alterthum.
Das älteste und einfachste Mittel der Ersteigung der Stadtmauernwaren Leitern. Ihre Anwendung ist unzweifelhaft sehr alt, sie kommtschon in der ältesten historisch bekannten Zeit bei der Belagerung von