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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 505

raingegenständen oder Punkten im Terrain durch verschiedene künst-liche Mittel beziehen: Befestigungen und die darauf bezüglichen Arbei-ten, Wurfmaschinen und Geschütze. Wir wenden uns zunächst zurLagerkunst, oder der Kunst, die Feldlager der Truppen aufzuschla-gen und zu befestigen.

Zuverlässige historische Angaben über den Anfang und Zustanddieser Kunst in den ältesten Zeiten giebt es nicht. Das aber scheint un-zweifelhaft fest zu stehen, dass sie schon sehr früh entstanden ist. IhreNotwendigkeit ist so natürlich und einleuchtend, dass man eine Befesti-gung der Feldlager der Krieger schon zu einer Zeit voraussetzen muss,wo die Kriegskunst noch sehr wenig entwickelt war. Die frühesten An-gaben darüber enthält Homer's Iliade. Nach dieser zogen die Grie-chen vor Troja ihre Schiffe auf's Land und ordneten sie in zwei Linienhintereinander. Das Lager der Truppen befand sich zwischen denselbenund wurde mit einem Erdwall und Holzthürmen umgeben, vor dem einbreiter, tiefer Graben mit einem Pfahlzaun lag. In dem Lager warendie Krieger in Zelten untergebracht. Es ist aus der Iliade bekannt, dassbei einein Ausfalle der Trojaner die Griechen ihre Rettung lediglich inder Vertheidigung ihrer Schiffe und ihres Lagers fanden.

Später befestigten die Griechen ihr Lager im Felde. aber bestimmtefeststehende Formen dafür gab es nicht. Nur die Spartaner lagertenstets in ovaler Form. Als die Thebaner unter Führung des Epami-nondas den Peloponnes durchzogen, umgaben sie ihr Lager stets mitVerhauen, zu welchem Zwecke alles Gehölz rundum niedergelegt wurde.

Bei Auswahl des Lagerplatzes zogen die Truppen auch die Beschaf-fenheit des Terrains in Betracht. Xenophon beachtete dies stets wäh-rend der Zeit des Rückzugs der 10,000 Griechen. Später zeichnete sichbesonders Pyrrhus durch geschickte Anlage und Befestigung seiner Lageraus. Der Lagerdienst wurde sehr fleissig betrieben.

Im Uebrigen erlangte die Castrametatio bei den Griechen eine weitgeringere Entwickelung und Vollkommenheit, als bei den Völkern Ita-liens, namentlich den Römern. Bei den Ersteren umgaben die Truppenihr Lager mit Erdwall und Verhau. Die Römer lernten, wie Einige mei-nen, die Construction und Befestigung ihrer Lager von Pyrrhus zurZeit der Kriege mit ihm, nach der wahrscheinlicheren Annahme Andereraber gerieth Pyrrhus selbst, als er zum ersten Male ein römisches La-ger erblickte, in Erstaunen und erkannte die Kunst der Anlage undBefestigung desselben an. Die Form des römischen Lagers war immerein längliches Viereck. Auf jeder Seite des Lagers befand sich ein Thor.Die Truppen lagerten in dem Lager in bestimmter Schlachtordnung. DieLager waren vorübergehende oder Marschlager, oder ständige oder Winter-lager. Schon die ersteren wurden sorgfältiger und stärker befestigt, als