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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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03. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 503

tion musste ein Umstand schwer und entscheidend in's Gewicht fallen,nämlich die geistigen und moralischen Fähigkeiten beider Feldherren.In dieser Hinsicht gehört die Schlacht von Pharsalus zu denjenigen, inwelchen der bezeichnete Umstand von maassgebendem Einflüsse seinund es zur Entscheidung bringen musste, wer von Beiden der grossereFeldherr sei, Cäsar oder Pompejus. Es ist hierbei noch an einenUmstand zu erinnern, der immer von wesentlichem Einflüsse war, abergleichfalls mit in der Persönlichkeit des Feldherrn lag, nämlich an dasVertrauen der Soldaten zu ihm und an den sie beseelenden Geist. In dieserHinsicht standen die Truppen Cäsar's entschieden höher als die desPompejus, sie hatten unbegrenztes Vertrauen zu Cäsar und warenüberzeugt, dass unter seiner Führung ihnen Nichts unmöglich sei. Unddieses Vertrauen, diese Ueberzeugung waren von Cäsar's alten Truppenauf die neuen vollkommen übergegangen. Ausserdem "waren Cäsar'sLegionen arm und nicht verweichlicht, die des Pompejus das geradeGegentheil. Und da die einen wie die anderen für den persönlichen Vor-theil ihrer Anführer kämpften, so musste die Persönlichkeit der Letztereneinen mächtigen Einfluss auf den Geist der Ersteren ausüben. Cäsarbeherrschte seine Legionen, Pompejus befehligte die seinigen nur.

All' das hier Dargelegte erklärt vollkommen die Maassregeln unddas Verhalten C ä s a r' s und P o m p ej u s' in der Schlacht bei Pharsalusund wird seinerseits durch sie selber erklärlich und bestätigt. In Bezugauf die der Schlacht vorhergehenden Anordnungen erinnert sie einiger-maassen an die Schlacht bei Thymbra: Pompejus beging die Fehlerdes Crösus, und Cäsar handelte in dem Geiste des Cyrus.

In der Schlacht bei Euspina stellte sich für Cäsar die Aufgabevielleicht noch schwieriger, als bei Pharsalus. Nur mit 30 Cohorten und4U0 Reitern der an Zahl weit überlegenen Reiterei des Labienusgegenüber, rnarschirte Cäsar in eng geschlossener Ordnung, das leichteFussvolk dazwischen, gegen Labienus vor, leichtes Fussvolk vor denCohorten, die Cavallerie auf den Flanken. Die Reiterei des Labienuswurde geworfen, sein Fussvolk hielt Stand und gab der Reiterei Zeit,sich neu zu formiren, die Linie Cäsar's anzugreifen und mehr und mehrzu umfassen. Der Letztere formirte seine Cohorten in Kreisform orbis),Front nach allen Seiten und ging endlich zum Angriff über. Die Cohor-ten warfen sich nach rechts und links, drängten die Flanken des La-bienus und dann auch das von diesen abgeschnittene Centrum zurück.Cäsar aber verfolgte den geschlagenen Feind nicht, sondern beschlossin sein Lager zurückzukehren. Labienus dagegen hatte Verstärkungenerhalten und ergriff von Neuem die Offensive, sodass Cäsar zu einemzweiten Kampfe gezwungen war (wie es bei Kunaxa geschah). Nachdemman sich von beiden Seiten beschossen hatte, führten Cäsar's Truppen