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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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'62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 465.

Zeit mehr danach, sich selbst im Zweikampfe hervorzuthun , als an dieOrganisation der Bewegungen und Operationen der Truppen zu denken.

Nach dem trojanischen Kriege und Einführung der Volksregierungwurde die Leitung der griechischen Heere überhaupt unter mehrereFeldherren vertheilt, welche jährlich bei der Volksversammlung gewähltwurden. Sie waren mit gleicher Gewalt bekleidet, commandirten ab-wechselnd je für einen oder mehrere Tage die Armee und bildeten allezusammen den Kriegsrath. Häufig befanden sich bei den Heeren auchein oder mehrere Mitglieder der höchsten Eegierungsbehörden zur Ober-aufsicht über die Handlungen der Feldherren, Erhaltung der Eintrachtder Letzteren, Führung des Vorsitzes bei dem Kriegsrath u. s. w. DieseArt von Befehlsführung über die Armeen, welche aus den Eigentüm-lichkeiten der Kegierungsform bei den Griechen entsprang, war ohnedie genügende Einheitlichkeit und mit vielen Nachtheilen verbunden.

Die Befehlshaberstellen in den griechischen Armeen oder Phalan-gen entsprechen ihrer taktischen Eintheilung in grosse und kleinereTheile, die in den verschiedenen Republiken nicht ganz die gleiche, aberdoch eine ähnliche war. In den zwei bedeutendsten Staaten, Sparta undAthen, waren die einzelnen Offizierstellen folgende: in der ersten, beider mora oder dem Regiment Infanterie (nach Xenophon) 1 Polemarch,4 Lochagen, 8 Pentekostyrier und 16 Enomotarchen, in der andern,10 Chiliarchen (über 1000 Mann), den 10 Chiliarchieen entsprechend,und 10 Strategen oder Oberanführer; die Letzteren hatten gleiche Ge-walt, befehligten alle 14 Tage abwechselnd und bildeten alle zusammenden Kriegsrath. In Sparta commandirten zur Kriegszeit die Könige mitunumschränkter Gewalt die Heere , waren aber der Volksversammlunggegenüber zu strenger Rechenschaftslegung verpflichtet. Wenn zweiArmeen im Felde standen, so befehligte jeder der beiden Könige einederselben, war nur eine Feldarmee vorhanden, so wurde einer der Königedurch das Loos an ihre Spitze gestellt, der andere aber blieb in Sparta.Bei den Königen befanden sich: je 1 oder 2 Polemarchen zur Aushülfe,einige der Sieger bei den öffentlichen Athleten- oder Kampfspielen, unddie von den Ephoren gewählten jungen berittenen Krieger, welche gleich-sam die königliche Leibwache bildeten. Die Ephoren selber pflegten,bald nach Lykurg's Zeit, die Könige in den Krieg zu begleiten und denKriegsrath zu bilden.

Diese Art der Befehlsführung blieb bei den Griechen auf derselbenGrundlage bestehen auch noch in der Zeit vom Anfang der griechisch-persischen Kriege bis zu Philipp und Alexander von Macedonien. InTheben wurde das Commando unter mehrere Feldherren, 4 bis 11 an derZahl, getheilt, welche von den verschiedenen Städten Böotiens gewähltund deshalb Böotarchen genannt wurden. Sie führten abwechselnd den

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte. 1,5. 30