424 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.
in dieser Summe nicht eingeschlossen. Die höhere Besoldung der Ca-vallerie gegen das Fussvolk hatte ihren Grund in den grösseren Kostender Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung, und des Unterhaltes zweierPferde und eines Pferdeknechtes. Die Auszahlung von Gehalt und Geld-unterhaltung erklärt sich daraus, dass eine Requisition zu weitläufig undauch zu unbequem, in Feindesland aber sehr schwierig gewesen seinwürde, eine Einquartirung der Mannschaften nebst Verpflegung durchdie Einwohner existirte bei den Griechen noch nicht, sie war nicht er-forderlich und im eigenen Lande ausserdem den Sitten und Gebräuchender Griechen zuwider, im Feindeslande aber nach damaligen Kriegs-begriffen .und aus mannigfachen Gründen unmöglich.
In jedem Falle lag den Feldherren zur Zeit des Krieges die absolutePflicht, ob, sowohl zu Lande, wie besonders zur See für die Verpflegungihrer. Truppen zu sorgen. Gewöhnlich wurde da, wo die Armee lagerte,ein grosser Markt etablirt, auf welchem die Soldaten sich mit allemNöthigen versahen; die Diener der Hopliten und Reiter führten die Lebens-mittel auf Lastthieren dorthin. Ausserdem folgten hinter dem HeereMarketender und Handwerker. Nach Plataea zogen aus dem Peloponneshinter dem griechischen Heere grosse Proviantcolonnen her, unter demSchutze von Dienern. Nicias nahm bei seiner Expedition nach Sicilienaus Attica Vorräthe an Weizen und guter Gerste nebst Getreidekorn undBrodbäckern, 100 kleineren Schiffen und vielen privaten Handelsleutenauf einer Transportflotte von 30 Schiffen mit sich. Aber auch imFrieden waren, wenigstens in Athen stets Vorräthe von Getreide, ge-backenem Brode u. s. w. vorhanden, die auf Staatskosten aufgekauftwurden. Zur Empfangnahme, Abwägung und Ausgabe derselben warenbesondere Einrichtungen getroffen und Personen bestimmt, zu welchennur die zuverlässigsten Männer gewählt wurden.
Wenn Lebensmitttel in natura ausgegeben wurden (an Landtruppenselten, an Seetruppen häufiger),- so kauften die Anführer dieselben ausden vom Staate dazu gegebenen Geldern. Die Trierarchen gaben Weizen-körner, Käse und Lauch oder Knoblauch aus, was in Säckchen fortge-schafft wurde. Aus dem Weizen wurde mit Wasser und Fett, bisweilenauch mit Zusatz von Wein ein Gebäck hergestellt. Es gab sehr ver-schiedene Arten gebackenen Brodes bei den Griechen., besonders bei denAthenern, die gewöhnlichsten waren aber Weizenbrod [artos) undGerstenbrod (maza); alitoi [aletria) nannten sie bald die Weizen-körner, bald eine besondere daraus fabricirte schmackhafte Art von.Brod.
Obgleich Gutherzigkeit im Allgemeinen keine Tugend der Griechenwar, so machten doch die Athener hiervon eine Ausnahme und bei ihnenzuerst kommen Spuren von Sorge für die alten und verstümmelten Krie-