Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
413
Einzelbild herunterladen
 

62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschiente des Alterthums. 413

Fussvolk, resp. Reiterei. Anfänglich waren sie nicht getrennt undkämpften zusammen, dann aber bildeten sie getrennte Truppengattungen:die schwerbewaffneten für das Nahegefecht, das Handgemenge, dieleichtbewaffneten für das Ferngefecht, den Geschosskampf. Ihr gegen-seitiges Stärkeverhältniss hing von den Gewohnheiten und Gebräuchender Völker ab, wie von der Beschaffenheit der von ihnen bewohnten Län-der. Die ältesten Nachrichten über verschiedene Gattungen des Fuss-volks beziehen sich auf die Hebräer zur Zeit der Richter. In dem KriegeIsraels gegen den Stamm Benjamin werden 26,000 Schwerttra-gende, 700 Schleuderer aus der Stadt Gibea, und ausserdem leichtbewaffnete Bogenschützen erwähnt. Ganz ebenso gab es, nach Ho-mer, im trojanischen Kriege besondere schwer- und leichtbewaffneteKrieger, und unter den letzteren Schleuderer und Bogenschützen. Die-selben Unterscheidungen traten bei allen Völkern des Alterthums über-haupt hervor. Jedoch war das asiatische Fussvolk leichter bewaffnet,als das griechische', und die Leichtbewaffneten sind nicht alle und nichtimmer Schleuderer und Bogenschützen. Sie unterscheiden sich im All-gemeinen von den Schwerbewaffneten durch die geringere Ausrüstungmit Schutzwaffen und durch ihre grössere Behendigkeit, auch durch denWurfspiess statt der Lanze. Bei den Griechen bildete diese Art Leicht-bewaffneter ein mittleres Fussvolk. unter dem Namen Peltasten (vonihren leichten kleinen Schildern, pelta , ae). Xenophon rechnete diesenoch zum leichten Fussvolk, Iphicrates aber formirte aus ihnen ein be-sonderes Corps von Fussvolk, und Philipp wie Alexander d. Gr. folgtenseinem Beispiele. Von gleicher Art waren die spartanischen Heloten.Bei dem Rückzuge der 10,000 Griechen ist ersichtlich, dass es bis dahinwenig Schleuderer und Bogenschützen bei ihnen gab, denn Xenophonwar gezwungen, 200 rhodiscbe Bogenschützen zusammen zu stellen undihnen höheren Sold zu bewilligen. Später zeichneten sich in Handhabungder Wurfgeschosse besonders die Akarnarier aus, und die Schleuderervon Aegina, Patrae und Dyme übertrafen sogar die von den Balearen.

Die Cavallerie bei den Griechen war gleichfalls schwer und leicbt,ausserdem gab es eine mittlere, die zu Pferde und zu Fusse kämpfte.Die schwere Reiterei bestand aus den vornehmsten und reichsten Bür-gern, die leichte aus Söldnern. Die athenische war schwer, die aetoliscbeleicht. Bei Alexander d. Gr. kommen auch berittene Bogenschützen vor.Später hatten die Griechen als schwere Panzerreiter die Kataphrak-ten, deren Pferde gleichfalls mit Harnischen bedeckt waren.

Bei den Römern gab es, wie bei den Griechen, schweres und leich-tes Fussvolk, das erstere die Legionen, das zweite Bogenschützenund Schützen, unter diesen die besten Bogenschützen die cretischenund thrazischen, die besten Schleuderer die balearischen. Julius Cäsar