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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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60. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Eümer in dieser Periode. 325

sein heimliches Anstiften brach der Westgothenkönig Eurich in Römisch-Gallien ein, um sich des Landes zwischen Loire und Rhone zu bemäch-tigen. Anthemius gab sogleich Befehl, die römischen Truppen in Gallienzusammen zu ziehen und bot zugleich den Riotham, König der Bre-tonen, zu einem Angriffe gegen die Westgothen auf. Riotham griff, umden Ruhm des Sieges nicht mit den Römern theilen zu müssen, die West-gothen ohne Beihülfe der Römer an. obgleich sie viel stärker waren alser, er wurde entscheidend geschlagen, und die Sieger setzten sich in Folgedessen in-der Provinz Berry fest.

Zwei Jahre darauf, im J. 472, stand Ricimer offen gegen Anthemiusauf, zog an der Spitze eines Heeres aus Mediolanum nach Rom und bezogam Ufer der Tiber bei der mulvischen Brücke ein Lager. In Rom selbstwar die eine Partei für Anthemius, die andere für Ricimer.

Auf die erste Kunde hiervon hatte Kaiser Leo I. den Senator Oly-brius abgeschickt, um den Frieden zwischen Anthemius und Ricimerherzustellen. Der Letztere aber bewog den Olybrius, der mit der TochterValentinian's III. , Placidia, vermählt war, selber den Purpur zu nehmen,und schloss mit ihm vereint den Anthemius in Rom ein. Anthemius be-hauptete sich 3 Monate lang in Rom, endlich aber nahm Ricimer die Stadtmit Sturm und Uberliess sie seinen Truppen zur Plünderung (am 11. Juni472). Dies war in 62 Jahren die dritte Plünderung Roms, eine besondersfurchtbare deshalb, weil ausserdem, dass die Stadt mit Feuer und Schwertverheert ward, auch noch eine Pest sich hinzu gesellte. Anthemius wardhierbei ergriffen uud ermordet. Allein auch Ricimer überlebte ihn nichtlange, denn am 20. August desselben Jahres erlag er selbst der Pest, undhinterliess das Andenken an sich als an einen fähigen, aber unwürdigenHerrscher und Feldherrn.

§ 427.Feldzüge Odoaker's (476480).

Nachdem im J. 473 auch Olybrius gestorben war, ging im West-römischen Reiche, das nur noch aus Italien, Dalmatien und einem kleinenTheile von Nordgallien bestand, die höchste Gewalt 3 Jahre lang in dieHände von Truppenbefelshabern über: des Burgunderfursten Gundo-bald, des Orestes, eines geborenen Römers, der aber seinem Charakternach vollkommen Barbar war, und endlich des Germanen Odoaker oderOttokar, aus dem Stamme derRugier, welche sämmtlich im Namender unbedeutenden Kaiser Glycerius, dann des Julius Nepos, undendlich des Sohnes des Orestes, des noch im Knabenalter stehenden Ro -mulusAugustulus herrschten. Durch den häutigen Wechsel der Kaiserund die Unbestimmtheit ihrer Beziehungen zur römischen Regierung auf-