57. Die Völker, gegen welche die Kömer in dieser Periode Kriege führten 205
Ethnographie Scythiens. Die alten griechischen und römischen Schrift-steller beschreihen die Scythen als einen hochgewachsenen blondhaarigenMenschenschlag, ihre Sprache aber als der der donischen Sarmaten unddonauischen Geteu und Daher gleich. Ueber die Mythologie der Scythenist sehr wenig bekannt. Im höchsten Ansehen stand bei ihnen Jar(Ares), der Gott des Krieges, den sie in der Gestalt eines geheiligtenSchwertes anbeteten. Als kriegerischem und zugleich ackerbautrei-benden Volke waren den Senken als Gegenstände religiöser Verehrunggeheiligt: der Pflug, das Joch und die Lanze, die ihnen vomHimmel herabgesendet waren; sie wurden von den Königen sorgfältigaufbewahrt und alljährlich dem Volke zur Anbetung ausgestellt. DieGräber der Könige im Lande der Jarower (oder der Dnjeprfälle) galtengleichfalls für heilig. Auf dem Grabe des gestorbenen Königs starbenauch seine Gattin, einige der höchsten Würdenträger, eine Menge Dienerund Pferde den Opfertod, und diese Alle wurden zugleich mit den Waffendes Königs in dem königlichen Grabhügel beigesetzt. Bei der Jahres-und Todtenfeier des Königs aber wurde auf seinem Grabe noch eingleiches blutiges Opfer dargebracht.
Als Bewohner weiter Steppen waren die Scythen wegen ihrer Vieh-und Pferdezucht berühmt, vorzügliche Reiter, die zu Pferde Krieg führ-ten und kämpften. Ihre Waffen waren Beil, Schwert. Dolch und Bogenmit nach vorn stehenden Enden, wodurch diese Bogen sich von denenanderer Völker unterschieden. Sie waren ausgezeichnete Bogenschützenund Schossen vom Pferde herab in vollem Galopp und nach jeder Seite.Die Art, wie sie Krieg führten und wie sie in der Schlacht kämpften,geht am besten aus der Darstellung des Feldzuges des Darius Hystaspisgegen die Scythen hervor (Allg. Kriegsgesch. I. Bd. 5. Kapitel, § 35).Den gefallenen Feinden schnitten die Scythen die Köpfe ab und zogendiesen die Haut mit den Haaren ab (scalpirten sie); wer nach derSchlacht keinen feindlichen Schädel aufzuweisen hatte, ging des Antheilsan der Beute verlustig. Der Friedensschluss wurde mit einem blutigenEide beschworen : die Scythen Hessen Blut aus ihrem Arm in eine Schalefliessen, tauchten ihre Waffen hinein und tranken es dann aus. IhreKleidung unterschied sich von der der übrigen Völker dadurch , dass sieaus einer Tunica oder Kaftan mit Aermeln, einem Sagum oderkleinen Mantel (russisch Burka), und einem weiten Untergewande ausHausleinen oder griechischem Gewebe bestand. Wie es scheint, rasirteudie Scythen den ganzen Kopf mit Ausnahme eines Haarbüschels, deroben in der Mitte stehen blieb (in der Art des Schopfes bei den Klein-Russen).
Trotz ihrer Unkultur zeichneten sich die Scythen durch Rechtlich-keit und Einfachheit der Sitten aus. Für ein Verbrechen, das der Fami-