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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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55. Die beinerkenswerthesten Kriege u. Feldziige d. Römer währ, dieser Periode. 17 1

das ganze durchzogene Gebiet mit Feuer und Schwert, machte die Be-wohner nieder und brachte unermessliche Beute zusammen. Dies ver-setzte die dessen ungewohnten Germanen in solchen Schrecken, dass siedemüthig um Frieden baten, den sie gegen Stellung von Geiseln, Liefe-rung von Getreide und Vieh als Entschädigung für die Kriegskosten undjährliche Abzahlung eines Tributes erhielten. Probus hätte den Germanenwohl das Tragen von Waffen verbieten mögen, aber verständiger WeiseHess er dies bleiben, aus dem Grunde, weil dazu erforderlich war, dassGermanien erst in eine römische Provinz verwandelt und gänzlich unter-worfen wäre, ohne welches es unmöglich war, an die Sicherheit undRuhe der römischen Grenzen auch nur zu denken. Aber was dem Au-gustus schon nicht gelungen war, zu dieser Zeit war es bereits zurabsoluten Unmöglichkeit geworden: die Umstände hatten sich gänzlichgeändert. Rom verlangte nicht mehr nach Eroberungen, ihm fehlte dieKraft dafür, es war gezwungen, nicht anzugreifen, sondern sich zu ver-teidigen, während hingegen die nördlichen Völker sich in der um-gekehrten Lage befanden, da sie den Drang naclrEroberungen und einegewaltige Kraft dazu besassen. Probus selbst schob kluger Weise dieEroberung Germaniens für später auf und beschränkte sich darauf, dasser 17000 germanische Jünglinge in die Legionen einstellte, eine Mengevon Germanen in Gallien und den anderen Provinzen des Reiches an-siedelte und zum Schutze der Grenzen gegen die Germanen eine mächtigeund starke Verschanzungslinie (Mauer) mit hohen dicken Wällen undThürmen in einer Ausdehnung von etwa 44 geograph. Meilen '308 Kilo-meter) aufführen liess, die sich von Neustadt und Regensburg bis Wim-pfen am Neckar und von da zum Rhein erstreckte.

Im folgenden Jahre, '278. ging Probus durch Rhätien, wo er dieRuhe wiederherstellte, nach Illyrien, welches von den Sarmaten ver-wüstet wurde. Er vertrieb diese ohne sonderliche Mühe und nahm ihnendie geraubte Beute wieder ab. Dann marschirte er nach Thracien gegendie dort raubenden Gothen, der Schrecken seines Namens bewog dieseaber unverzüglich die alten Verträge mit den Römern zu erfüllen. InKleinasien dagegen stiess Probus auf hartnäckigen Widerstand von Seitender räuberischen Isaurier der Bewohner des östlichen Küstenstrichs amSchwarzen Meere), welche die römischen Provinzen seit langer Zeit schonverheerten. Ihr Führer Ly'dius (nach Vopiscus Palpurius) hatte sichin das feste Bergschloss Cremina geworfen, wo er von Probus belagertund nach langer heftiger Gegenwehr gefangengenommen und hingerichtetwurde: die Isaurier ergaben sich nach seinem Tode. In ihre Bergfestenund Schlupfwinkel legte Probus starke Besatzungen von römischen Ve-teranen, denen er die Umgegend als Eigenthum übergab.

Dann wandte er sich gegen die Perser, welche in die Ostgrenzen des