154 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
nämlich die Kriegsoperationen an der unteren Donau zu beginnen undsie an der Mündung der Elbe oder sogar der Oder und der Weichsel mitder vollkommenen Unterwerfung Germaniens zu enden. Nach einemzweijährigen Feldzuge gegen die Germanen schrieb er an den Senat: »inkurzer Zeit habe ich so viel Kriege geführt, wie Niemand im Alterthum (I),habe ich so viel Gefangene gemacht, dass das römische Gebiet kaumRaum hat sie unterzubringen (!)«, und ähnliche schamlose Prahlereien.Und dabei bedrückte er, während er den Winter in Sirmien und Pan-nonien zubrachte, Alle und Alles, Vornehme und Reiche, Städte undganze Provinzen in der furchtbarsten Weise, so dass Alle ihn hassten.Sogar die Tempel und deren Schätze wurden ausgeplündert, Alles nur, umdie Soldaten zu bereichern. Sämmtliche höhere Aemter und Stellen wur-den an die allerunwürdigsten Leute vertheilt, welche das Land und seineBewohner erbarmungslos ausplünderten. Die allgemeine Unzufriedenheitführte zunächst zu einem Aufruhr in Afrika und zur Proklamirung desProconsul Gordianus und seines Sohnes Gordianus zum Kaiser, derSenat erkannte sie an und erklärte den Maximin für einen Feind desVaterlandes. Aber Gordianus Sohn wurde bald in einer Schlacht gegenden Statthalter von Mauretanien, Capellianus, besiegt und getödtet*);Maximin brach im J. 238 gegen Italien auf und belagerte Aquileja; derSenat aber wählte anfänglich zwei Kaiser: ClodiusPupienus undDecimus CäliusBalbinus**), und dann auf Anfordern des Heeresund Volkes noch einen dritten : Gordianus III., Enkel des ersten undNeffe des zweiten Gordianus. Maximin, der Seitens der Bewohner Aqui-leja's auf den heldemüthigsten Widerstand stiess, ergrimmte über dasMisslingen seiner Angriffe derartig und trieb seine Grausamkeit gegenseine eigenen Soldaten so weit, dass diese ihn im Mai 238 tödteten.
§. 382.Krieg mit den Persern unter Gordianus (241—243).
Seit Alexander Severus hatten die Perser den Frieden mit den Rö-mern aufrecht erhalten. Aber nach dem Tode des ersten persischenKönigs Artaxerxes I. fiel dessen Sohn und Nachfolger Sapor I. im J. 238sogleich in Armenien ein, nahm Nisibis und Carrhae und belagerte An-tiochia. Dies verbreitete Schrecken bis nach Italien und Rom, und derjunge Gordianus III. (er war erst 12 Jahre alt), oder richtiger gesagt,der Senat traf ungeheure Rüstungen und Vorbereitungen zum Kriege
*) "Sein Vater entleibte sieh selbst. Anmerk. cl. Uebers.
**) Nach Andern hiessen sie: Maximus Pupienus und Clodius Balbinus.
Anmerk. d. Uebers.