148 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
seinen Soldaten, sie plötzlich zu überfallen und alle niederzumachen!Und nach dieser niedrigen und verabscheuungswerthen Handlung ent-blödete er sich nicht, den Beinamen Alemann-icus anzunehmen, indemer sich laut rühmte, dass er die Barbaren durch List besiegt habe, da esunmöglich gewesen sei, sie mit Gewalt den Waffen niederzuwerfen! Diegefangenen Weiber der Alemannen wählten, da Caracalla ihnen freistellte, ob sie als Sklavinnen verkauft oder getödtet werden wollten, dasLetztere; sie wurden dennoch verkauft, gaben sich aber selbst, viele auchihren Kindern, den Tod.
Aber von Seiten der Cennen (oder bei Dio Cassius — der Katten)stiess Caracalla auf heftigen Widerstand. Im offenen Kampfe fochten siegegen die römischen Truppen mit solcher Erbitterung, dass sie sogar mitden Zäbnen sich die Pfeile der osroenischen (asiat.) Bogenschützen ausden Wunden rissen, um ihre Hände zum Niedermetzeln der Römer freizu behalten! Aber sie, die gegen die Waffen der Römer Stand gehaltenhatten, vermochten nicht gegen Bestechung Stand zu halten, und fürschweres Geld erkaufte sich Caracalla den Rückzug und die Möglichkeit,sich für den Sieger auszugeben.
Durch solche Handlungen setzte er sich nicht allein in den Augenseiner eigenen Truppen herab, sondern in denen aller Germanen. Diean der Elbe wohnenden Stämme derselben drohten mit Krieg, doch auchvon diesen machte er sich durch Geld frei. Während aber die Germanenihn gründlich verachteten, hatte er eine besondere Leidenschaft für sie :aus den schönsten und tapfersten von ihnen bildete er sich eine Leib-wache, legte ihre Kleidung an und trug sogar häufig falsches rothesHaar!
Von den Ufern des Rheins rückte er an die untere Donau, unterwegsdas Land verheerend und ausplündernd, sogar in den römischen Pro-vinzen. An der unteren Donau stiess er auf die Gothen, welche, vonder Weichsel nach Dacien vorgedrungen, hier zum ersten Male mit denRömern in Berührung kamen und in der Folge so wesentlichen Antheilan der Zerstörung des weströmischen Reiches nahmen. In unerheb-lichen Scharmützeln, deren Erfolg unbekannt ist, massen sie zunächstihre Kräfte mit den Römern, dann schlössen sie ein Bündniss mit denunabhängigen Daciern, indem sie gegenseitig Geiseln austauschten.
Ohne sich lange in Dacien aufzuhalten, durchzog Caracalla imJ. 215 Thracien und Macedonien, setzte über den Hellespont, feierte inIlion ein ebenso lächerliches wie klägliches Todtenopfer zu Ehren desAchilles, und brachte den Winter 215—216 mit Zurüstungen für denFeldzug gegen die Parther und Armenier hin.