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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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1 40 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Unterdessen hatte auch Niger seinerseits grosse Kriegsrüstungen imOrient vorgenommen und zog nun mit einem zahlreichen Heere aus Syrienund Kleinasien von Asien nach Europa dem Septimius Severus entgegen.Einer seiner tüchtigsten Generale. Aemilianus, führte die Avantgarde.Von den verbündeten Königen Armeniens und Parthiens konnte Nigerkeine Hülfstruppen erlangen, nur B a r s e m i s, Herrscher von Hatra, liessein Corps Bogenschützen zu ihm stossen. Ganz Syrien. und besondersAntiochien, stellten ihm starke Truppencorps. In Byzanz wurde er mitEntzücken aufgenommen. Von hier aus wollte er sich der ganzen Meeres-küste bis zum Hellespont bemächtigen. von wo aus der kürzeste Wegnach Europa vor ihm lag. Aber unweit Perinth stiess er auf den LegatenH e r a c 1 iu s. welchen Septimius Severus zum Schutze von Bithynien vor-ausgesandt hatte. Heraclius schlug den Niger zurück und zwang ihnnach Byzanz zurückzugehen. Da Niger hierbei die Feindseligkeiten zu-'erst begonnen und in den ersten Scharmützeln und Trefl'eu viele vor-nehme Römer getödtet hatte. so erklärte auf Veranlassung des SenatsSeptimius Severus den Niger für einen Feind des Reiches. Der Letzterehatte inzwischen Unterhandlungen mit ihm angeknüpft, wobei es sich umseine Annahme zum Mitregenten handelte. Aber Severus bewilligte fürden Fall der Unterwerfung Nigers ihm nur das Leben und einen an-ständigen Unterhalt im Exile. Da Niger hierauf nicht eingehen wollte, soniusste der Streit zwischen ihnen durch die Waffen entschieden werden.

Als Severus mit seinem Heere in Thracien anlaugte. erkannte er,dass es unklug, ja unmöglich sei. Niger in dem stark befestigten Byzanzeinzuschliessen, und beschloss seinen ursprünglichen Plan auszuführen,nämlich den Krieg nach Asien hinüberzuspielen,- wohin er denn auchim J. 194 zur See seine besten Truppen sendete. Sie trafen bei Cyzicusauf Aemilian und besiegten ihn: die Truppen des Letzteren wurden theilsniedergemacht. theils zersprengt, Aemilian selbst gerieth in Gefangen-schaft und wurde als Feind des Staates hingerichtet.

Auf die Kunde hiervon kehrte Niger unter Zurücklassung einer Be-satzung in Byzanz nach Kleinasien zurück, und Severus detachirte nuneinen Theil seiner Armee zur Belagerung von Byzanz. Niger zog inBithynien ein starkes Heer zusammen und lieferte in den Engpässenzwischen Nicäa und Cius dem C andidus, einem Feldherrn des Severus,eine Schlacht. Er commandirte sein Heer persönlich und hatte als er-fahrener Heerführer keine der in seiner Lage zweckmässigen Anord-nungen verabsäumt. Lange schwankte der Erfolg hin und her, endlichneigte er sich auf des Candidus Seite, und der geschlagene Niger warzum Rückzuge über das Taurusgebirge genöthigt. Dort war als unisich-tiger Feldherr seine erste Sorge, sich eine starke Vertheidigungspositionzu schaffen durch Anlegung von Verschanzungen in den aus Cappadocien