136 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
ständischen germanischen und anderen Stämme um Frieden zu bitten.Es scheint indessen, dass die Römer bei der Fortführung dieses Kriegesgrosse Verluste erlitten fyaben, denn kraft des Friedensvertrages wurdenihnen 100000 Gefangene zurückgegeben, und Marc Aurel erlaubte denBarbaren, Colonien in Pannonien, am "Rhein und selbst in Italien zugründen. Die Barbaren hatten somit ihren Zweck erreicht, nämlich neueLändereien für ihre Niederlassungen erhalten.
Unter den römischen Feldherren, welche sich im marcomannischenKriege besonders auszeichneten, nennen die Historiker den Rufus Bas-säus, der vom gemeinen Legionär sich bis zur Würde eines Präfektender Prätorianer aufgeschwungen hatte. — den P o m p ej a n u s, Schwie-gersohn Marc Aurel's, und den Pertinax. der in der Folge Kaiserwurde.
Im J. 175, nachdem er schon Pannonien vom Feinde gesäubert unddie nördlichen Grenzen gesichert hatte, ward Marc Aurel von der Unter-werfung der Marcomannen und Sarmaten durch den plötzlichen Aufstanddes LegatenAvidius Cassius abgehalten. Dieser Letztere war zurBelohnung für seine ausgezeichneten Thaten in dem Kriege gegen dieParther (s. obenj zum Statthalter von Syrien ernannt worden und hattezunächst dort bei den Truppen die altrömische strenge Disciplin ein-geführt. Alle Diejenigen, welche eigenmächtig ihre Adler verlassenhatten und in die Stadt Daphne unweit Antiochia, bekannt durch ihrePracht, ihre Vergnügungen und Sittenlosigkeit. gegangen waren, rief erin die Reihen des Heeres zurück, die aber, welche nicht von dort zurück-kehrten oder aufs Neue sich dorthin zu entfernen wagten, wurden mitschimpflicher Entlassung aus dem Heere bedroht. Seine Strenge gingbis zur Grausamkeit: so Hess er einstmals Soldaten, die einen Bauer be-stohlen hatten, ans Kreuz schlagen und hernach ihre Leiber verbrennenoder ins Meer werfen. Deserteuren Hess er Hände und Füsse abschlagenund Centurionen, welche sich ohne Befehl mit dem Feinde in einen Kampfeinliessen. wurden mit schimpflicher Hinrichtung bestraft.
Nachdem er solcherstalt die Disciplin in der syrischen Armee be-festigt hatte, fasste er den Plan, mit seiner Armee den Marc Aurel zustürzen, den er spöttischer Weise den Autor philosophischerDialoge nannte. Zur Zeit des marcomannischen Krieges trug MarcAurel ihm die Unterwerfung des Räubervolkes der Bucolen oder Vucolerin Aegypten auf. Avidius Cassius führte dies ebenso klug wie erfolgreichund ohne den geringsten Verlust seinerseits aus. Im J. 176 schritt er end-lich zur Ausführung seines Planes, in welchem ihn, wie man annimmt, dieKaiserin Faustina bestärkt ha-tte. Die Erkrankung Marc Aurel's sich zuNutze machend, verbreitete er das Gerücht von dessen Tode und bewog