126 IV. Von Augustua bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
der Singulares. einem Corps auserlesener kaiserlicher Truppen. Ob-gleich Tutor sein Heer durch die Vangionen. Cäracater und Triboker ver-stärkt hatte. so gingen diese sämmtlich gleich danach zu dem heran-marschirenden Sextilius Felix über. Mit den übrigen Truppen wurdeTutor bei Bingium (Bingen) geschlagen, die Legionen aber, welche siehin den Händen der Gallier befanden und von Novesium und Bonna insLand der Trevirer geführt worden waren, erhoben sich aus eigenem An-triebe von Neuem für Vespasian und schlössen sich in der den Römernbefreundeten Stadt Mediomatricum (h. Metz) ein. Civilis und Classicuszogen auf die Nachricht von der Niederlage Tutors ihre Truppen zu-sammen und schickten Botschaft zu Tutor, dass er, die Römer möchtenkommen von wo es sei, nichts Entscheidendes unternehmen solle.
Um diese Zeit erschien endlich bei dem römischen Heer der neu er-nannte Oberfeldherr Cerealis, ein verständiger, energischer, erfahrenerund geschickter Mann, und sofort nahmen die Dinge eine andere AVen-dung, — wozu es auch höchste Zeit war. In drei Colouneu brach er nachRigodulum auf. in welchen Platz sich der Führer der Trevirer, V a 1 e n -tinus, geworfen hatte. In raschem Anlauf nahm Cerealis (oder Cerialis)diese befestigte Stadt mit Sturm und machte in derselben den Valentinusund die vornehmsten Belgier zu Gefangenen, am nächsten Tage aberdrang er mit Gewalt in Trevirum ein, das er nur mit Mühe vor der Wuthseiner Truppen zu schützen vermochte. Civilis und Classicus suchten ihnzum Abfall von Vespasian zu bewegen, indem sie ihm die Oberherrschaftüber Gallien anboten, Cerealis aber hielt es unter seiner Würde ihnen zuantworten und schickte ihr Schreiben sammt den Ueberbringern an Ve-spasian nach Rom. Nachdem dies fehlgeschlagen, zog Civilis alle seineStreitkräfte zusammen, um den Krieg mit Nachdruck zu führen. Erüberfiel plötzlich das Lager der römischen Truppen bei Trier und hatteschon den Wall überstiegen und die Moselbrücke in seine Gewalt ge-bracht , aber es gelang dem Cerealis, ihn von der Brücke und aus demLager zurückzutreiben, ihn ganz zu schlagen und sich sogar des Lagersder Feinde zu bemächtigen. Obgleich Civilis demnächst noch in mehrerenGefechten die von Cerealis vorausgesandte römische Cavallerie besiegte,sich durch germanische Truppen verstärkte und in Castra vetera ver-schanzte, so verfolgte ihn Cerealis doch mit allen seinen Truppen, schlugihn wiederholt in zweitägiger Schlacht, konnte aber in Folge des schlech-ten Wetters die Verfolgung nicht fortsetzen und ihn nicht total besiegen.Wäre die römische Flotte rechtzeitig an der Uebergangsstelle der überden Rhein zurückkehrenden Germanen gewesen, so würde der Kriegschon jetzt entschieden worden sein. Dies war aber nicht der Fall, undso vermöchten auch Classicus und Tutor sich über den Rhein zu retten.Civilis griff kurz darauf die Wacht-Cohorten des römischen Lagers an