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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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53. Die beuierkenswerthesten Kriege u. Feldziige d. Eöuier währ, dieser Periode. 11 7

durch grosse Zangen und andere Maschinen unschädlich. untergrubendie römischen Erdwerke und verbrannten bei einem kräftigen Ausfalleinen der römischen Belagerungsthürme. bei welcher Gelegenheit Titusselbst verwundet wurde Dies reizte die römischen Soldaten: mit Wuthwarfen sie sich auf den Feind, trieben ihn zurück und bemächtigten sichder äusseren Mauer. Die Juden zogen sich hinter die zweite zurück, undhier entspann sich ein zweiter nicht minder heftiger und wilder Kampf, derununterbrochen fünf Tage und fünf Nächte währte. Endlich gelang es denRömern sich in Besitz der zweiten Mauer und eines Theiles von Acra zusetzen. Titus, welcher Milde walten lassen wollte, verbot die Zerstörungder Gebäude von Acra , die Juden aber hielten das für Schwäche, unddie Enge und die ihnen bekannten, den Römern aber unbekannten Krüm-mungen der Strassen benutzend, gelang es ihnen, die Römer aus Acra zudrängen und die zweite Mauer wiederum in Besitz zu nehmen. Titusaber eilte mit frischen Truppen herbei, und am dritten Tage bemächtigteer sich nach blutigem Kampfe abermals der Mauer und der Acra selbst,welche nun grösstentheils zerstört wurden: die Thtirme besetzten rö-mische Krieger.

Nun trat eine viertägige Unthätigkeit ein, zur Erholung für die rö-mischen Truppen. Titus hielt, um die Juden dadurch zur Unterwerfunggeneigter zu machen, vor ihren Augen während dieser Tage eine Revueüber sein Heer ab und schickte den in Jotapata in Gefangenschaft ge-rathenen und bei ihm befindlichen Flavius Josephus mit Vorschlägen zueiner günstigen Capituration an sie ab. Aber die Juden jagten diesen mitSchimpf zurück und beschlossen sich bis auf das Aeusserste zu verthei-digen. Ihr Fanatismus ging so weit, dass viele von ihnen, scheinbar zumFeinde übergehend, Nachts die Wachtposten niedermachten, die Brunnenvergifteten, die Belagerungsmaschinen anzündeten u. s. w., währenddie anderen, von Johannes Giscala geleitet, die römischen Arbeiten durchunterirdische Gräben zerstörten. Titus hatte Jerusalem mit einer starkenContravallationslinie von 9 Kilometer Länge und einer Menge von hohenAufwürfen (Cavalieren) auf derselben umschlossen, welche sich gegen-seitig flankirten, und diese gewaltigen Arbeiten waren durch den Eifer derrömischen Soldaten in 3 Tagen! vollendet und schnitten jegliche Ver-bindung der Umgegend mit der Stadt ab. In Folge dessen brachen inJerusalem Hungersnoth, ansteckende Krankheiten. Sterblichkeit undElend aller Art aus, welches bald den höchsten entsetzlichen Grad er-reichte. Die in der Stadt zusammengehäuften Menschenmassen kamenzu tausenden um, ihre Leichen verbreiteten Gestank und Pest: die Ueber-lebenden nährten sich von Gras, Leder, vom Aas gefallener Thiere, so-gar vom Fleisch der Menschencadaver; es kamen sogar Beispiele vor,dass Mütter ihre Kinder tödteten und verschlangen. Während dessen