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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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53. Die bemerkenswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Körner währ, dieser Periode. 85

waren. In Folge dessen schickte Augustus zuerst (im J. 15) seinen Stief-sohn Drusus gegen sie. Die Rhätier stellten sich ihm entgegen, aber inden Tridentinischen Alpen (an der heutigen oberen Etsch, unweit Trient)wurden sie von ihm nach kurzem Kampfe besiegt und in die Flucht ge-schlagen. So war nun allerdings der Weg nach Italien ihnen versperrt,allein da sie immer noch ihre Einfälle in Gallien fortsetzten, so entsen-dete nun Augustus seinen 23jährigen Stiefsohn Tiberius von einer andernSeite, von Westen her, gegen sie. Nun drangen Drusus und Tiberiusgleichzeitig von verschiedenenSeiten auf mehrerenWegenund in mehreren Colonnen in Rhätien ein; die Colonnen wurdenvon ihnen persönlich resp. von ihren Unterfeldherren geführt, Tiberiusgriff die Rhätier hierbei sogar schon mit einer Flotte auf dem Bodenseean. Dieser von verschiedenen Seiten her ausgeführte Angriff des Drususund Tiberius versetzte die Rhätier in Bestürzung, weil sie gezwungenwaren mit getrennten Kräften zu fechten, welche ohne Mühe vereinzeltgeschlagen und schliesslich überwunden wurden. Da aber die Rhätierein zahlreiches Volk waren und es wahrscheinlich schien, dass sie sichbald von neuem erheben würden, so zwangen Drusus und Tiberius einengrossen Theil von ihnen, die Jungen und Kampffähigen, Rhätien zu ver-lassen, und Hessen nur soviel Einwohner darin, als nöthig waren zurBearbeitung des Landes, aber unfähig einen Aufstand zu wagen.*) Aufdiese Weise wurde Rhätien mit leichter Mühe unterworfen und zur römi-schen Provinz gemacht.

§. 364.Feldzüge des Drusus in Asien (129 v. Chr.)

Nachdem durch die Unterwerfung Rhätiens der direkte Weg ausItalien zum Oberrhein erschlossen war, scheint Augustus den Plan zueinem neuen offensiven, sozusagen keilförmigen, Vorbrechen ausHelvetien im Rheinthal hinab zwischen diesem Strom und dem Vogesen-gebirge, behufs Trennung Galliens von Germanien, in Verbindung miteiner gleichzeitigen Angriffsoperation aus Belgien gegen den Unterrheinhin gefasst zu haben, welche letztere den Zweck hatte, die Lingoner,Mediomatriker und Trevirer, welche an der unteren Mosa (Maas) undMoseila (Mosel) wohnten und bis jetzt sorgfältig geschont worden waren,vollständig zu unterwerfen. Es ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, inwelchem Jahre und durch welchen Feldherrn der Raum im Rheinthalevon Helvetien bis zur Mündung der heutigen Nahe besetzt wurde und die

*) Dieses Verfahren wurde in der Folge von den Römern oft zur Schwächungder ihnen feindlichen Völker angewendet.