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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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50. Die Völker, mit welchen die Römer in dieser Periode Kriege führten. 33

ihnen so hartnäckig und erfolgreich die Stirn geboten, ihnen so vieleschwere Verluste beigebracht. Worin lag dies begründet? In dem un-gewöhnlichen kriegerischen Geiste, dem Muth und der Tapferkeit derGermanen , in ihrer hohen sittlichen Kraft, verbunden mit nicht mindergrosser körperlicher oder physischer Stärke. In den Fällen, wo sie durchdie Römer besiegt wurden, hatte dies seinen Grund in der Ueberlegenheitder Letzteren nach Bewaffnung und Kriegskunst, bisweilen auch in derkörperlichen und daraus hervorgehenden geistigen Erschlaffung der Ger-manen in Folge der grossen Hitze , an welche die Römer weit mehr ge-wöhnt waren als sie.

Dies waren die hauptsächlichsten und allen Germanen gemeinsamenZüge ihres Gemeinwesens, ihrer Heereseinrichtungen wie ihrer Kampfartim 1. und 2. Jahrh. n. Chr. Aber im Laufe der Zeit hatten sich dieseZüge vielfach modificirt. Die Notwendigkeit, sich gegen die Räubereienihrer Stammes-Genossen wie gegen die Waffen der Römer zu schützen,veranlasste die germanischen Völker zur Abschliessung von Bündnissenuntereinander (schon im 1. Jahrh. n. Chr.), anfänglich einzelne, geson-derte, in vorzugsweise defensiver Absicht, in der Folge (seit dem3. Jahrh. n. Chr.) grössere und mächtigere zu vorzugsweise offensivenZwecken, nämlich zum Einfall in die reichen römischen Provinzen behufsderen Ausplünderung. Von dieser Zeit an vermischten sich die solcheBündnisse abschliessenden Völker und unterordneten sich einem oberstenFührer, Herzog oder König (Chuning, Konung). Die Regierung bewahrteihre früheren Grundzüge, verwandelte sich aber aus einer Familien- undStammesregierung in eine militärische. Diese Verbündeten und ihre Ge-biete wurden in Militärbezirke und Provinzen (Marken) unter Verwaltungder Aeltesten und Fürsten (Gaugrafen, Markgrafen, Fürsten) getheilt,welche die Civil- und besonders die Militärgewalt in sich vereinigten.Die wichtigsten Angelegenheiten der Verbündeten wurden durch Be-rathung der obersten Führer mit den Aeltesten und Magistratspersonenauf allgemeinen Volksversammlungen entschieden, welche meistens zwei-mal jährlich, im Frühling und Herbst, abgehalten wurden. Brach einallgemeiner Volkskrieg aus, so rückten alle volljährigen und waffen-fähigen Männer unter Anführung ihrer Aeltesten und Fürsten ins Feld.Dieses allgemeine Aufgebot Hess Heerbann. Zum Anführer desselbenwurde für die Dauer des Krieges ein Herzog erwählt, oder aber er stelltesich unter den Oberbefehl des Bundesführers. Handelte es sich aber nurum vereinzelte Kriegsunternehmungen, so zogen nur die durch ihreTapferkeit und ihre Thaten ausgezeichneten Krieger mit ihren Schaarenoder Geleiten aus. Bisweilen bildete eine Anzahl von Freiwilligen diesGeleit, welche sich zur Ausführung eines Einfalls oder irgend eineranderen vereinzelten kriegerischen Expedition zusammengethan und aus

Gulitzin, Allgera. Kriegsgeschichte. 1,5. 3