50. Die Völker, mit welchen die Römer in dieser Periode Kriege führten. 31
Wetteifer zwischen den Mitgliedern seiner Schaar erregte. Die Führersetzten ihrerseits ihren Ruhm und ihre Ehre darein, die zahlreichste undtapferste Schaar zu nahen. In Kriegszeiten wurde gewöhnlich in Volks-versammlungen der H e e r z o g oder Anführer aus den tapfersten Kriegernder ohersten Klasse ausgewählt. Aber die Macht der Anführer wie desGeleitsherrn war im Allgemeinen ziemlich eingeschränkt: sie hattennicht das Recht ihre Zuhörigen zu züchtigen oder mit dem Tode zubestrafen und beherrschten sie mehr durch die Macht ihres persönlichenBeispiels und Einflusses, als durch eigentliche Gewalt über sie. Dieskam daher, weil die Germanen die persönliche Freiheit über Alles hoch-schätzten und keine andere Macht anerkannten, ausser dem durch diePriester ihnen verkündeten Willen ihrer Götter. Die Folge davon waraber, dass sie weder militärischen Gehorsam, noch militärische Ordnungkannten. Auch in ihren Heeren oder, richtiger gesagt, in ihren Volks-aufgeboten, herrschte eben darum keine regelmässige Organisation. Allevolljährigen, freien und zur Führung der Waffen befähigten Glieder dereinzelnen Familien und Sippen zogen in gesonderten Haufen unter Füh-rung ihrer Aeltesten, von ihren Weibern und Kindern begleitet, in denKrieg. In der Schlacht feuerten die Weiber die Kämpfenden an, sorgtenfür die Verwundeten, schafften die Leichen der Erschlagenen fort, halfenbeim Plündern und Beutemachen und nahmen nicht selten noch thätigerenAntheil am Kampfe, indem sie mit den Waffen in der Hand und nichtminder tapfer als die Männer in deren Reihen mit kämpften oder ihreLager vertheidigten. Aber die Zusammensetzung der germanischen Heere•aus vielen gesonderten Geleiten, deren Führer alle nach eigenem Er-messen handelten, war jedem Begriffe von militärischer Einheitlichkeitund Uebereinstimmung entgegen.
Die taktische Formation der Germanen war gleichfalls höchst einfachund unvollkommen. Sie kämpften zum Theil zu Pferde, grösstentheilsaber zu Fuss, und obgleich einige der germanischen Stämme als geschickteReiter bekannt waren und gute Pferde besassen, so bestand doch dieHauptmacht der germanischen Heere im Fussvolk. Deshalb hatten sieauch die Gewohnheit, ihre Reiterei dem Fussvolk beizumischen, d. h.zwischen die Reiter leichte Fusssoldaten zu stellen. Cäsar thut diesesGebrauchs in seinen Schriften Erwähnung und rühmt ihn. Die germani-schen Pferde zeichneten sich weder durch Schönheit noch durch Schnel-ligkeit aus, waren aber, nach Tacitus' Aussage, sehr stark und kräftigund sehr gut geritten. Die Bewaffnung war höchst einfach und dürftig.Die gewöhnliche Angriffswaffe war die framea, ein kurzer Speer mitkleiner schmaler Spitze. Sie wendeten ihn im Handgemenge wie zumWurf an. Die Reiterei führte nur diese framea, das Fussvolk hatteausserdem noch Wurfspiesse, welche mit grosser Kraft uud auf unge-