14 IV. Von Augustiis bis zum Untergang des Weströmischen Reiches
Leichtigkeit in geschlossener oder zerstreuter Ordnung kämpfen, und dieauserlesenen Truppen des Hintertreffens hinter der Legion waren imStande, diese hequem während des Kampfes auf allen Punkten zu ver-stärken und zu unterstützen oder deren Rückzug zu decken. Diese Vor-züge und Eigenschaften der Legionsaufstellung in Cohorten in eine Liniewaren bei geschickter Verwendung durch solche Feldherren, wie zujener Zeit Trajan, Hadrian und viele Andere, von wesentlichem Einflüsseauf die Erfolge der römischen Waffen in dieser Periode, wie auf die Siegeder Römer über die Germanen und Parther. Trajan und Hadrian speziellzeichneten sich durch geschicktes Anpassen dieser Formation an dasTerrain, an die Verhältnisse des Feindes und dessen Kampfart aus undverdankten derselben hauptsächlich die Siege, welche sie über Dacierund Parther erfochten, und dass sie durch die Letzteren nicht einemgleichen Missgeschick wie Crassus und Antonius erlagen.
Im 3. Jahrh. wurde die Aufstellung der Legion nur zeitweilig, unterCaracalla (211—2171 und unter Alexander Severus (222—235) vollstän-dig in die der macedonischen Phalanx umgeändert, mit Ausnahme dieserZeit aber behielt sie ganz dieselbe Form wie im 2. Jahrh. Sie hatte abernicht mehr die früheren Vorzüge und brachte nicht mehr den Nutzen wievordem, weil inmitten der Schrecken der soldatischen Gewaltherrschaftjener Zeitepoche die rohe Gewalt über die Kurist siegte und nirgendseine geschickte Verwendung dieser Formation von Folgen begleitetauftritt.
Von den Formationen der Legion war die gebräuchlichste die inForm eines innen hohlen Vierecks [agmen quadratum), welche am häu-figsten auf dem Marsche, im offnen Terrain in der Nähe des Feindes oderbei plötzlichem Angriff durch den Letzteren, oder zur Vertheidigunggegen überlegene feindliche Kräfte oder zahlreiche Reiterei zur Anwen-dung kam. Deshalb wurde sie im Orient mehr als sonst wo gebraucht.Nicht selten wurden auch, und oft mit grossem Erfolge, die Formationenin Keil- oder Zangenform benutzt. So z. B. in der Schlacht der Römerunter Vespasian gegen Civilis bei Treviri (h. Trier a/Mosel) im J. 70n. Chr., wo die zweite Legion, im Keil formirt, den Sieg entschied.
Die Marschbewegungen der Armeen fanden anfänglich mit mehroder weniger grosser Regelmässigkeit, Ordnung, Vorsicht und Schnellig-keit statt. Von der Ordnung derselben kann des Flavius Josephus Be-schreibung der Märsche des Vespasian und Titus mit ihren Heeren eineVorstellung geben, deren ersterer im J. 67 aus Syrien nach Galiläa, derzweite im J. 70 von Samaria nach Jerusalem ging. Bei Vespasian warendie leichten Truppen, vorzüglich die Hülfs-Bogenschützen, an der Tetevoraus, unterstützt durch einen Theil schweres Fussvolk und Cavallerie,um Nachrichten vom Feinde einzuziehen und ihn zuerst festzuhalten, —