8 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
gaben, oder die ihnen am meisten schmeichelten oder am nachsichtigstenwaren. So wurden Commodus, Caracalla, Heliogabalus und andere diesenähnliche Scheusale von ihnen proclamirt. Gleich den ersten Nachfolgerndes Augustus waren auch diese, indem sie durch ihre Willkür und Grau-samkeit den Hass des Volkes auf sich zogen, genöthigt sich auf das Heerzu stützen, und deshalb erweiterten sie die Rechte und Vorrechte derSoldaten unaufhörlich und leisteten deren Eigenwillen und schrecklichenAusschreitungen allen Vorschub. Diejenigen Imperatoren dagegen,welche ihre Habgier nicht gehörig befriedigten oder Ordnung bei ihnenherzustellen suchten, wurden von ihnen abgesetzt und ermordet. Sofielen ihnen Pertinax, Probus und die besserer Zeiten und der wärmstenTheilnahme würdigen Alexander Severus und Aurelian zum Opfer.
In dieser Zeit der grausamsten Eigenmächtigkeit und Willkür desHeeres, der inneren Unruhen, Bürgerkriege, Umwälzungen und des An-griffs der Germanen und Perser von aussen, welche Letztere an die Stelleder Parther getreten waren, gerieth die militärische Macht des Staatesgänzlich in Verfall. Durch die Ertheilung des römischen Bürgerrechts analle römische Unterthanen (behufs grösseren Ertrages der Steuern) gabCaracalla diesen Einrichtungen einen entscheidenden Stoss. Von dieserZeit an wurden Bürger wie Heer Rom gänzlich fremd und waren nurnoch dem Namen nach Römer. Die Truppenaushebung erfolgte in denProvinzen durch Legaten, Proconsuln u. s. w. unter den äussersten Miss-bräuchen und Ungerechtigkeiten. Die Zusammensetzung des Heereswurde eine immer schlechtere, es kamen mehr und mehr Barbaren, be-sonders Germanen hinein. Die Kluft zwischen dem Heere und dem vondiesem bedrückten Volke riss immer weiter, Rechte und Privilegien derKrieger erreichten die höchste Ausdehnung. Der mächtigste und schäd-lichste Theil des Heeres, die Prätorianer, wurde durch Septimius Severusrefomirt, indem er an ihrer Stelle aus den auserlesensten Kriegern allerLegionen eine neue viermal so starke (40000 Mann) Leibwache bildete.Alexander Severus, unter dem sich bei den Römern besonders die Hin-neigung zu allem Griechischen entwickelte, bildete auf den Rath desJulius Africanus aus 6 Legionen eine Phalanx nach Art der früherengrossen macedonischen und aus den Veteranen eine Schaar der Chrysa-spiden (Goldschildner) und der Argyraspiden (Silberschildner), gleich-falls nach dem Muster der Macedonier. Aber nach seinem Tode wurdendiese Einrichtungen wieder aufgehoben.