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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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49. Milit. Organisation, Einrichtungen u. Kriegskunst im rüm. Kaiserreich etc. 7

Unordnungen gesteuert, Zucht und Ordnung in demselben wieder her-gestellt und dauernd aufrecht erhalten. Allein der sittliche Verfall desVolkes und Heeres, eine Folge der allgemeinen alles Maass überschrei-tenden Ausdehnung des Luxus, der Verweichlichung und Corruplion, so-wie der vorhergegangenen häufigen und schweren Unruhen. Bürgerkriegeund Umwälzungen, hatte bereits solche Fortschritte gemacht, dass diemilitärische Organisation und Einrichtungen des römischen Staates raschihrem Verfalle zueilten, trotz aller Bemühungen der weisen Kaiser zuihrer Aufrechterhaltung. Schon zur Zeit des Augustus waren Beispielevorgekommen, dass römische Bürger sich verstümmelten (meistens indemsie den Daumen der rechten Hand abhieben), um sich der Last des Mili-tärdienstes zu entziehen, was Augustus indessen aufs Strengste bestrafte.Aber zu dieser Zeit flössten der Militär-Dienst und -Stand den römischenBürgern, ja selbst den Tributpflichtigen und Bundesgenossen Romssolchen unüberwindlichen Widerwillen ein, dass die Selbstverstümmelung,um demselben zu entgehen, sich allgemein und dauernd einbürgerte. In-dessen begann nun schon in Ost- und Mittel-Europa die grosse Bewegungder Völker nach Westen und Süden. Die Germanen, welche bis zu Do-mitian's Regierung (8196) sich nur defensiv verhalten hatten, fingenjetzt an gegen die römischen Besitzungen angriffsweise vorzugehen, undim Orient wurden die römischen Grenzen von den schrecklichen Parthernimmer näher bedrängt. Unter diesen misslichen Umständen waren dieKaiser gezwungen, in noch höherem Maasse wie sonst die Armee durchAushebungen aus dem niedrigsten und gemeinsten Pöbel vollzählig zumachen und endlich Söldlinge aus den Barbaren in Dienst zu neh-men. Marc Aurel (161180) war der Erste, welcher Barbaren-Söldner im römischen Heere in Dienst nahm. Diese Maass-regel war in ihren Folgen verderblich und von wesentlichstem Einflüsseauf das Schicksal des Reiches; es gab aber kein anderes Mittel zur Ret-tung des Staates, und man musste notwendiger Weise zu demselbenschreiten. Es war gefährlich, im Dienste des Staates halbwilde, anzügellose Freiheit gewöhnte und nur aus Habgier dienende Soldaten an-zustellen; aber immerhin war es noch besser diese, als die verweich-lichten, schlaffen und feigen Römer im Heere zu haben.

Die 105jährige Periode vom Tode Marc Aurel's bis zu Diocletian(180284) ist denkwürdig durch die uneingeschränkte und furchtbareGewaltherrschaft des Heeres. Schon bei dem ersten Nachfolger MarcAurel's, Commodus, erlangten die Prätorianer und neben ihnen die Le-gionen eine Macht und einen Einfluss, welche, rasch anwachsend, denhöchsten Grad erreichten: Prätorianer und Legionen machten fort-während Empörungen, riefen ihre Lieblinge zu Kaisern aus oder auchdiejenigen, welche ihnen das meiste Geld oder die freigebigsten Geschenke