46. Art und Kunst der Kriegführung Cäsar's (49—45 v.Chr.). 313
bei Euspina traf Cäsar alle erdenklichen Vorsichtsmassregeln. SeineOperationen hei dieser Stadt und hei Ucita zu dem Zwecke, um Scipioauf die Ebene zu locken, einzuschliessen und zum Kampfe zu zwingen,zeichnen sich durch solche Kunst aus, dass es überflüssig wäre, diesnoch beweisen zu wollen. Nur einige ungeheure Schanzarbeiten Cäsar'sbilden ein um so schwerer lösbares Räthsel, als Cäsar bei Dyrrhachiumdie Nachtheile solcher Arbeiten namentlich in dem Falle, wo es sichdarum handelte, mit schwächeren Kräften einen stärkeren und das Meermit einer Flotte beherrschenden Feind einzuschliessen, genügend kennengelernt hatte. Seine Seeexpedition von Leptis in den Hafen von Hadru-metum ist namentlich bemerkenswerth durch ihre Kühnheit, Schnellig-keit und Energie. Alle übrigen Operationen Cäsar's in Afrika bis zurSchlacht bei Thapsus einschliesslich documentiren den festen Willen unddie Energie des Feldherrn, die Expedition nach Zeta im Rücken Scipio'sdagegen eine so kühne Verwegenheit, dass die Kriegsgeschichte nurwenige Beispiele ähnlicher Art aufzuweisen hat, wo nicht ein Corps,sondern eine grosse Truppenmaclit, fast die halbe Armee, zu solchemZuge mitgenommen wird, und dass selbst Cäsar weder vorher noch nach-her eine gleich tollkühne That unternahm.
Sein letzter Feldzug endlich in Hi Spanien ist zwar weniger reich anThaten, aber sehr bemerkenswerth durch die Operationen Cäsar's amFlusse Bätis, vermittelst welcher er den Sextus und dann den CnejusPompejus, Letzteren bis Munda nahe dem Meere mit dem Rücken zumMeere, zurückdrängte und hier, nach dem heftigsten, von Cäsar's eige-nen Truppen aus freier Initiative begonnenen Kampfe, in welchem Cäsarum sein eigenes Leben focht, endlich durch einen reinen Zufallden Sieg erlangte und der pompejanischen Partei den letzten Stoss gab.
Ueberhaupt erscheint Cäsar im Bürgerkriege als Feldherr auf derHöhe der vollen Entwickelung und Kraft seiner kriegerischen Gaben undFeldherrnkunst, zu welcher der Anfang im gallischen Kriege gemachtwar. Wenn man alle seine Kriege und Feldzüge vom Beginn (im Jahre 58)bis zum Ende (im Jahre 45) aufmerksam verfolgt, so erkennt man leicht,dass er allmälig von Jahr zu Jahr erstarkte, sich immer höher ent-wickelte und endlich die Stufe erreichte, zu der nur die allergrösstenFeldherren gelangen. Dem entsprechend wuchs auch seine Feldherrn-kunst in jeder Hinsicht, Strategie, Taktik, Fortification, Belagerungs-kunst, sowie der moralische, ganz ungewöhnliche, Einfluss Cäsar's aufseine Truppen und auf seine Gegner.
Seine Soldaten zeichneten sich, wie schon in Gallien, durch vorzüg-liche taktische Ausbildung, ungewöhnliche Fähigkeit zu jeder Art vonMarsch oderUnternebmung, im Felde wie im Kampfe, durch Geduld undZähigkeit im Ertragen von Beschwerden und Entbehrungen, durch